Länder und Nationen #1 – Lettland

In der Kategorie „Länder und Nationen“ geht es um die Geschichte, die politischen, wirtschaftlichen und klimatischen Umstände sowie die Kultur bestimmter Nationen oder geografischer Gebiete.
 

Auch wenn ich angekündigt habe, demnächst an größeren Posts zu arbeiten, will ich hier mal ein „kleineres“ Exemplar einwerfen und gleichzeitig eine neue Kategorie einführen. Wir befassen uns heute mit der Geschichte, der Kultur und der Lage Lettlands

Geschichte

Frühgeschichte

Der Ursprung der Letten liegt im Volk der Balten, einem Unterzweige der indoeuropäischen Sprachenfamilie, zu denen auch die „Preußen“ gehörten. Die Letten speziell werden von den Liguisten ihrem Sprachgebrauch nach als Ostbalten eingeordnet. Bis auf Litauisch ist die lettische Sprache die einzige dieser Kateogrie, die bis heute überlebt haben. Wenn man heutzutage von den „baltischen Staaten“ spricht, redet man von den drei Nationen Estland, Lettland und Litauen. Die Balten haben früher eine gemeinsame Sprache gesprochen, die von Linguisten als Balto-Slawisch eingeteilt wurde. Die linguistische Einordnung der Letten findet sich also in folgendem Stammbaum wieder.

Um das 13. Jahrhundert herum war Lettland zusammen mit Estland in einem Verbund namens „Livland“ geeint. In diesem Land lebten die folgenden Stämme:

  • Kuren
  • Semgallen
  • Selonen
  •  die Lettgallen
  • und an deren Stammesgebiete grenzend die finno-ugrischen Live

die überwiegend heidnische Gläubigkeit dieser Völker veranlasste 1202 den Bischof Albert I. von Riga, den Schwertbrüderorden gründen zu lassen, einen geistlichen Ritterorden zur Missionierung Livlands. Die Geschichte des Schwertbrüderordens gegen Ende nicht allzu glorreich verlaufen. Nach anfänglichen Erfolgen (Eroberung Dorpats 1215, die Ösel 1227) wurden von den Litauern zerschlagen und in Schande nach der Rückkehr dem Deutschen Orden eingegliedert. Dazwischen hatte sich der Orden vom Bischof abgewandt und ein Drittel des Eroberten Landes eingefordert. Der Papst schien diese Entscheidung zu begrüßen, räumte er dem Orden bei einem Schiedsspruch zwischen Bischof und Orden doch weitergehende Rechte im Jahr 1012 ein. Vom Erfolg geblendet, gingen sie mit dem König von Dänemark, Waldemar II., ein Bündnis ein. Dieses sollte sich zum Nachteil des Ordens entwickeln, denn der Papst Gregor IX. bestätigte die Ansprüche des dänischen Königs im Jahr 1236 an den bis dahin gemeinsam eroberten Gebieten – das gesamte Livland der damaligen Zeit. Der Orden ging schleichend darnieder. In der Schlacht von Schaulen 1236 fiel dann die Mehrzahl des Ordens gegen die Litauen. Die Litauen, blitzkriegartig weiter vorstoßend, veranlassten den Papst dazu, die Reste des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden zu integrieren und ihn gegen die Litauer zu mobilisieren. Mit dem Deutschen Orden sollte es dann gelingen, Livland noch lange Zeit zu halten, nämlich bis in das 16. Jahrhundert hinein. 1410 sollte es bereits zwischen dem Deutschen Orden und den Litauern – unterstützt von den Polen unter  Władysław II. Jagiełło bei der Schlacht bei Tannenberg zum Showdown kommen, der für den Deutschen Orden in einer Niederlage endete. Dennoch konnte sich der Deutsche Orden in Livland halten, verlor aber die darüber hinaus gehenden Gebiete an Polen und Litauen. Die Missionierung der Livländer ging dabei wieder zunehmend ungestört weiter.

Während des Mittelalters war Livland mit der Hanse (bekannt durch das heutige Hamburg) verbündet, einem gemeinsamen supranationalen Umschlagplatz der handelnden Nationen zur See.

Im 16. Jahrhundert waren die zunehmend katholisch missionierten Livländer mehr und mehr dem Protestantismus zugewandt, ebenso wie Deutschland, das bis heute zum Großteil protestantisch ist. Dies führte dazu, dass sich die Deutschen, Esten und Letten Livlands mehr und mehr annäherten und eine gemeinsame Kultur aufbauten.

Mittlerweile war das Heilige Römische Reich entstanden. Livland wurde dabei ohne spürbare Konsequenzen als Bestandteil dieses Reiches untergeordnet. Mitte des Jahrhunderts jedoch brach mit dem Einmarsch russischer Truppen der livländische Krieg aus. Um sich gegen die zunehmende Bedrohung durch Russland abzusichern, unterwarf sich Livland nun zum Schutz der polnischen Oberhoheit. Das Land zerfiel in mehrere Einzelteile

Kurland fiel unter polnische Lehnshoheit, jedoch unter der weiteren  Regentschaft durch den letzten Landmeister des Deutschen Ordens. Das restliche und somit eigentliche Livland kam in Litauischen Besitz.

Estland ging einen ähnlichen Weg, unterstellte sich aber nicht Polen-Litauen, sondern einer  dänisch-schwedischen Schutzregentschaft.

Schon 1629 sollte der Großteil dieser Gebiete, bis auf Kurland und einige Restteile, von  Gustav II. Adolfs zu Schweden in schwedische Hände fallen. Kurland blieb unter polnischer Herrschaft,

Im Laufe des 18. Jahrhunderts von 1700 bis 1721 fiel die Region dann durch Eroberung unter die Regentschaft des russischen Zars „Peter dem Großen“. Der Frieden von Nystad 1721 beendete nämlich den Krieg zwischen Russland und Schweden und machte Livland und Estland zu russischen Provinzen. 1795 kam der in Polen verbliebene Teil Livlands durch die „erste russische Teilung“ Polens ebenfalls nach RUS. Dort bildete es dann bis in das Jahr 1919 gemeinsam mit Estland das russische Ostseegouvernment. Eben jenes Gebiet um Riga herum kam 1919 an Lettland, der restliche Teil Livlands wurde zum Teil an Estland und zum Teil an Lettland vergeben. Bis dahin hatte Lettland aufgrund des Weltkriegsendes seine Unabhängigkeit erklärt.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Die SFSR, ein Teil der sowjetunion, versuchte, unterstützt von den „Roten Lettischen Schützen“, versuchten in Lettland einzufallen und die Macht zu übernehmen. Anfangs gelang dies auch, es kam zur „Lettings Sozialistischen Sowjetrepublik“. Estland, die Eiserne Division (abstellung des Freikorps), die Weiße Armee und die baltische Landeswehr unterstützten Lettland in der Verteidigung und schlugen die SFSR und die Schützen zurück. Die SFSR zog sich aus dem Baltikum zurück. Die wiedererlangte Unabhängigkeit nutzte die deutsch-baltische minderheit für einen Regierungsputsch, um die Regentschaft zu erhalten. Auch dieser Umsturzversuch wurde niedergeschlagen und es kam „endlich“ zu einem stabilen Lettland. Dieses Lettland wurde dann im Friedensvertrag von Riga auch von Russland verbindlich anerkannt. Durch diesen Vertrag wurde Lettland auch das Gebiet der Lettgallen zugesprochen. Die putschende minderheit wurde durch die minderheitsgerechte Regierungspolitik Lettlands ruhig gestimmt, das Land erlebte eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte.

1921 entschied das Parlament über die Flagge Lettlands.

Der Staatsstreich

1934 erfuhr Lettland erneut einen Rückschlag durch den Staatsstreich Kārlis Ulmanis‚. Dieser regierte Autoritär und ließ keine parlamentarisch geführte Regierung mehr zu.

Der Zweite Weltkrieg

In der Zeit des zweiten 1934-45 geriet Lettland zusätzlich unter Druck von Deutschland einer- und Russland andererseits. 1939 gab es noch einen Nichtangriffspakt mit Deutschland. Was die lettischen Machthaber nicht wussten, ist, dass in den geheimen Klauseln des Hitler-Stalin-Paktes Lettland der sowjetunion zugeschrieben wurde. Bereits im oktober 1939 zwang die UdSSR Lettland dann ein Beistands- und Stützpunktsabkommen auf. Die lettischen Deutschbalten wurden ins Deutsche Reich übersiedelt – „Repatriierung“ nannte man dies. Unter Gewaltandrohung der UdSSR sah sich Lettland dazu gezwungen, der Stationierung sowjetischer Truppen 1940 zuzustimmen. Die Sowjetunion besetzte eine sozialistische Regierung, welche die Einleitung Lettlands in die UdSSR einleitete. 35.000 Letten wurden nach Sibirien deportiert.

Im Zuge von Hitlers Offensivkrieg gegen die UdSSR wurde Lettland 1941-45 von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Zunächst als Generalbezirk Lettland unter deutsche Zivilverwaltung gestellt, stellten sich die Deutschen als Befreier dar und bauten eine neue Marionettenregierung aus Vertrauensleuten auf. Es war sogar möglich, aus Freiwilligen eine lettische SS aufzubauen und zwangsrekrutierte Soldaten an die russische Front zu schicken. Die völkerrechtliche Untat des Holocausts, bürokratisch perfektioniert und von Hitler als „systematischer antisemitismus“ bezeichnet, wurde auch in Lettland praktiziert. Dort fanden sich auch lettische Kollaborateure, die mit den Deutschen in dieser „angelegenheit“ zusammengearbeitet hatten. Beinahe die komplette jüdische Bevölkerung Lettlands wurde systematisch vernichtet. Die lettische Hilfspolizei und das lettische Jagdkommando  Victors Arājs unterstand zu diesem Zeitpunkt bereits dem SD.

Das Massaker von Audrini

Unvergessen bleibt auch das Massaker von Audrini, bei dem die SS der Bevölkerung die Unterstützung russischer partisanen vorwarf und daraufhin die Einwohnerschaft dezimierte.

Angliederung lettischer Guerillos in die Untergrundorganisation der „Waldbrüder“

Der Deutsche Vormarsch kam vor Moskau und Stalingrad zum Straucheln und sie fiel zurück. Die Wehrmacht war plötzlich in der Verteidigungsposition und hielt lange die „Festung Kurland“, wurden jedoch bald von der Roten Armee überrannt. Die Einwohner, bis vor kurzem noch unter der Herrschaft des Deutschen Reiches, wurden sofort in die Rote Armee und die Lettischen Schützen eingezogen. Die kollborateure des Holocausts sowie die Ober- und Mittelschicht der letten mussten durch die sowjetunion andere Peinigungen wie Inhaftierung, Deportation und sogar Tötung erleiden. Flüchtlingsströme gingen nach Deutschland, Schweden, die USA und Australien. Im untergrund Lettlands bildeten sich antikommunistische Guerilla-Organisationen, die Widerstandsnester der „Waldbrüder“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Lettische Sowjetrepublik, bereits zwischen den beiden weltkriegen kurzzeitig von der SFSR ausgerufen, wieder auf – unter Missfallen lettischer Patrioten. Die Alliierten als zweite, dritte und vierte Siegermacht des Zweiten Weltkriegs wollten den Anspruch der UdSSR auf Lettland nicht in Frage stellen, auch nicht bei Gründen der Vereinten Nationen. Die Partisanenbewegung der „Waldbrüder“ wurde größtenteils von der UdSSR zerschlagen.

Die Bevölkerung Lettlands wurde mehr und mehr deportiert und in alle Winde zerstreut, überwiegend nach Sibirien, wo ihre Arbeitskraft durch den Sozialismus ausgebeutet wurde. Währenddessen strömten sowjetische Parteifunktionäre nach Lettland und übernahmen dort Führungspositionen. Der Staat war vollkommen dem System der Sowjetunion missbraucht, Lettland war ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Erst 1956, mit dem Tod Stalins, durften die deportierten Letten wieder in ihre Heimat zurückkehren, dort jedoch nicht über die erfahrene Ungerechtigkeit reden.

Neue Unabhängigkeit

Von 1987 bis 1991 kam in Lettland eine Bewegung zustande, die als „Singende Revolution“ in die Geschichte eingehen sollte. Möglich machte dies Michail Gorbatschow, nachfolger Stalins als Oberhaupt der Sowjetunion, mit seinem Dogma der Perestroika – der Umstrukturierung. Zum ersten mal war in der Sowjetunion durch Gorbatschow ein Funken Menschlichkeit herübergekommen, der in dieser Zeit auch der DDR zugute kommen sollte.

Die Letten fingen an, bei öffentlichen Volksversammlungen und friedlichen Demonstrationen alte Volkslieder zu singen, was von der sowjetunion eingangs verboten worden war.

Am 23. August 1989 bildeten die Menschen Lettlands den „Baltischen Weg“, eine 600 km lange Menschenkette

Am 4. Mai 1990 erklärte Lettland seine Unabhängigkeit für wiederhergestellt. Die moderne Epoche Lettlands war eingeleitet und wir befinden uns in der Gegenwart.

Mit dieser historischen Betrachtung will ich meinen Bericht über Lettland auch erstmal abschließen. Ich werde diesen Post vielleicht später mal mit weiteren Infos zur Kultur usw. updaten und diese Änderung dann in meinem Blog entsprechend außerhalb der Kateogrie ankündigen. Anregungen sind ausdrücklich erwünscht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwertbr%C3%BCderorden

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Orden

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Tannenberg_(1410)

http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich

http://de.wikipedia.org/wiki/Livland

http://de.wikipedia.org/wiki/Livl%C3%A4ndischer_Krieg
http://de.wikipedia.org/wiki/Russische_SFSR 

http://de.wikipedia.org/wiki/Lettische_Sowjetrepublik

http://de.wikipedia.org/wiki/Lettische_Sch%C3%BCtzen

http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Armee

http://de.wikipedia.org/wiki/Baltische_Landeswehr

http://de.wikipedia.org/wiki/Eiserne_Division

http://de.wikipedia.org/wiki/Friede_von_Riga_(1920)

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Lettlands

http://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitsdienst_des_Reichsf%C3%BChrers_SS

http://de.wikipedia.org/wiki/Schutzstaffel

http://de.wikipedia.org/wiki/Waldbr%C3%BCder

http://de.wikipedia.org/wiki/Singende_Revolution

http://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika

http://de.wikipedia.org/wiki/Baltischer_Weg

Über dafrk

IT Consultant in den Bereichen SAP, SAP HANA, Internet of Things, Digital Transformation und IT Security
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