Military Equipment #1 – die Ausrüstung der Bundeswehr #1

In der Kategorie „Military Equipment“ stelle ich euch regelmäßig militärische Ausrüstungsgegenstände vor. Das reicht von Waffen über Survivalwerkzeuge bis hin zu technischem Gerät, wie etwa Nachtsichtgeräte.
 

Schutzweste

Heute reden wir über die „Schutzweste Infanterie“, auch genannt IdZ-Weste, weil sie Teil des Programms „Infanterist der Zukunft“ ist.

Geschichte

Damals in den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr (Balkan etc.) hatten die Soldaten lediglich eine sogenannte „Splitterschutzweste“ um. Der Name war hierbei Programm: Die Weste lieferte nur Schutz vor Splittern, also hauptsächlich vor umherfliegenden Schrappnellen, die durch einen indirekten Treffer / eine indirekte Detonation in der Nähe des gefährdeten Soldaten beschleunigt wurden. Diese Splitterschutzwesten wurden erstmals 1990 beschafft und waren in ihrer Schutzwirkung, wie man sicher erahnen kann, sehr dürftig, denn ein Schutz vor typischen Kleinkaliberwaffen war nicht gegeben, maximal als Stichschutz vor Messerangriffen konnte man die „SpliSchu“ noch gebrauchen.

Relativ schnell erkannte man, dass es bei anderen Streitkräften bereits Schutzwesten gab, die eine wesentlich bessere Schutzwirkung leisten konnten. Die Bundeswehr bediente sich deshalb beginnend mit dem UNOSOM II Einsatz zunächst der sogenannten „Bristol Body Armour“-Weste des Herstellers Meggitt Armor Systems, die bereits von den englischen Streitkräften getragen wurde. Der Name „Bristol“ bürgerte sich aufgrund dessen in der Bundeswehr als Standardbegriff für beschusshemmende Westen ein. Der Ankauf dieser Bristols erfolgte in der Ausführung für britische Streitkräfte, weshalb sich diese ersten Wessen wesentlichen vom deutschen Flecktarnmuster unterschieden.

Beginnend 1998 wurde dann die Bristol von der „Schutzweste Standard“  des Herstellers Mehler Vario Systems ersetzt. Der Grund dafür war unter Anderem das sehr hohe Gewicht der bisherigen „Bristol“, diese wog nämlich 18 kg. In der modernen Kriegsführung jedoch tendiert man immer mehr dazu, dem Soldaten immer weniger Gewicht mitzugeben, das war auch ursprünglich der Hauptgrund dafür, warum die NATO-Streitkräfte anfangen, das Kaliber ihrer Waffen von 7,62 auf 5,56 umzustellen – weil die Munition weniger wog und daher mehr Munition bei gleichem Gewicht mitgeführt werden konnte – der Soldat also länger selbständig kämpfen konnte. Neben der Schutzweste Standard gab es dann noch eine weitere Variante für Spezialkräfte.

 Jedenfalls wurde bei beiden Varianten versucht, eine Weste der Schutzklasse 1 einzuführen, die durch Einlagen an Bauch-/Brustbereich und Rückenpartie an diesen Stellen bis zur Schutzklasse 4 angehoben werden konnte.

Im Rahmen des Programms „Infanterist der Zukunft“ wird nun die sogenannte IdZ-Weste angeschafft und immer weiter eingeführt, die sozsuagen auf dem selben Prinzip aufbaut und dieses verbessert.

Merkmale

Wesentliche Merkmale der IdZ-Weste sind:

 

  • die Weste wiegt im Gegensatz zur früheren Bristol „nur noch“ 13 kg. Das Gewicht wird außerdem durch einen Hüftgurt auf die Hüften verteilt. Bei der alten Bristol lastete das Gewicht größtenteils noch auf den Schultern der Soldaten.
  • die Weste ist weitgehend modular aufgebaut. Das bedeutet zum Beispiel, dass man Vorder- und Rückenteil durch ein Klettsystem zusammenfügen kann. So wäre es etwa
    möglich, ein defektes Rückenteil durch ein anderes zu ersetzen. Desweiteren lassen sich zusätzliche Partien an die Weste anbringen, etwa ein Tiefschutz, der vor Splittern und vor Hieb- und Stichattacken schützt. Der Tiefschutz schützt dabei die Genitalien und – ganz wichtig – die Arterien, die im Oberschenkel-Bereich verlaufen, da diese desöfteren bei indirekten Treffern durch umherfliegende Schrappnelle verletzt wurden.
  • Als vorderer „Schutzwall“ gegen Geschosse dient eine Platte, die aus einem Verbundmaterial aus Keramik und einem Aramitverbund, der als Kevlar bekannt ist, besteht. Diese Platte wird in Rücken- und Brustteil der Platte eingeschoben, dafür existieren entsprechend verschließbare Einschübe in der Weste, so dass man eine angeschossene und dadurch defekte Platte auswechsen kann. Diese Platte hat aber noch nicht den Zweck, das Geschoss abzuhalten, sondern lediglich abzubremsen, also dessen kinetische Energie zu mindern. Die Kugel letztendlich wird von einer zweiten, leichteren Aramitplatte dahinter aufgehalten, einer platte, die auch in den gewöhnlichen Unterziehwesten der Polizeikräfte verarbeitet ist. Diese absorbiert die gesamte restliche kinetische Energie des Geschosses. Aus Testversuchen weiß die Truppe, dass die gängigen Geschosse von Maschinen- und Sturmgewehren aufgehalten werden können, also Kaliber bis zu 7,62×51 mm. Scharfschützenmunition kann in der Regel nicht abgehalten werden, diese zielen aber in der Regel ohnehin nicht auf den Brust-/Rückenbereich. Zwischen diesen beiden Schutzmechanismen wird eine weitere Platte eingeschoben, die eine Art Kettenhemd beinhaltet. Dieses Kettenhemd soll vor Stichangriffen, vordergründig vor Bajonetten, schützen. Auch wenn Bajonette inm internationalen Völkerrecht mittlerweile verboten sind und sich viele Nationen an dieses Verbot halten, werden sie beispielsweise in China immer noch ausgebildet und daher auch noch eingesetzt – daher ist dieser zusätzliche Schutz auch wirklich notwendig. Ein Bajonett ist übrigens an der Seite nicht scharf, so wie es uns Film und Fernsehen immer vormachen wollen – ein Bajonett ist nicht zum Schneiden dar, sondern zum Stechen, und die Riffelung an einem Teil der Klinge eines Bajonetts ist nicht zum Holzarbeiten gedacht, sondern dazu, um den Wundrand der Eintrittswunde zusätzlich aufzureißen, um eine nachträgliche ärztliche Behandlung zu erschweren.
  • Diese Schutzmechanismen bewirken, dass die Schutzweste insgesamt die Schutzklasse 4 erreicht.
  • Aufgrund der Positionierung der Keramikverbundplatten wird im neuen Schießausbildungskonzept der Bundeswehr eine alternative Anschlagsart zur bisherigen gelehrt. Die Soldaten drehen sich bei der Schussabgabe nicht mehr zur Seite ein, da sie dem Gegner ansonsten die Seite (Rippen, Nieren usw.) zuwenden würden, welche nicht von der Verbundplatte der Schutzweste geschützt werden. Stattdessen wenden die Soldaten bei der Schussabgabe dem Gegner nun die Front zu und machen sich klein durch einen sehr schnellen Wechsel in eine fast schon kniende Anschlagsposition, man spricht von einer „Gaucho-Stellung“. Der Sinn ist hauptsächlich der, dass man im Falle eines Gegnertreffers durch die Weste geschützt wird.
  • An Vorder- und Rückenteil der Weste ist eine Art Maschennetz eingearbeitet (man spricht von einem Schlaufensystem), welches es ermöglicht, dass hier in beliebiger Anordnung Ausrüstung angebracht werden kann, wie etwa eine Faustwaffe, ein Kampfmesser, Taschenlampen, Handgranaten, Werkzeug oder Ähnliches. Die Soldaten können durch diese Netzstruktur individuell ihre Ausrüstung anordnen.
  • Moderne Schießtechniken von Infanteristen können die hohe Schutzwirkung der IdZ-Weste trotzdem durchschlagen, wenn sogenannte Dubletten-Schüsse abgegeben werden und der Schütze gut trifft. Dabei gibt der Schütze kurz hintereinander zwei schnelle Schüsse ab, dabei versucht er, beide Schüsse in einem kleinen Streukreis, also nahe beieinander, zu treffen. Der erste Schuss perforiert die Keramikverbundplatte der Schutzweste, der zweite kommt aufgrund der Perforation des Materials leichter durch die Platte und durchdringt daher die Schutzweste. Dabei muss der zweite Einschlag aber ziemlich nahe am ersten erfolgen, was aufgrund der Bewegung des Ziels durch den Ersttreffer sehr schwer ist. Trotzdem hat sich diese Schusstechnik in der modernen Kriegsführung durchgesetzt. Dabei werden zwei Schüsse in einem kleinen Streukreis auf das Körperzentrum abgegeben und danach erneut dublettenschüsse auf eine andere verwundbare Zone des Körpers, wie beispielsweise den Kopf.
  • Die IdZ-Weste wird oft mit einem sogenannte Chest-Rig kombiniert, welches über der Weste getragen wird. Dort kann man Ausrüstung besonders komfortabel, schnell zugängig und mit einer angenehmen Gewichtsverteilung befestigen. Dort kommen dann beispielsweise die Magazine für das Sturmgewehr und die Backup-Waffe (Faustfeuerwaffe) rein.

Laserlichtmodule

Das Laserlichtmodul ist eine Zielhilfe für ein Sturmgewehr, welches sich eines Lasterstrahls bedient. Solche Zielhilfen gibt es für die meisten gängigen Sturmgewehre, montiert werden sie in der Regel an einer fest dafür vorgesehenen Stelle des Sturmgewehrs oder an einer sogenannte Picatinny-Schiene. Obwohl diese Art der Zielvorrichtung die seltenste (und eigentlich auch unpraktischste ist), ist sie die Zielhilfe, die wir am meisten in Hollywood-Actionstreifen sehen, das typische „Laservisier“, bei der ein Laserpunkt auf das Ziel projiziert wird.

Ein Lasterlichtmodul bietet dabei in der Regel die Option, zwei verschiedene Arten von Lasern zu projizieren. Der gewöhnliche Laser aus Hollywood ist durch das normale menschliche Auge sichtbar. Einen IR-Laser (IR für Infrarot) kann man nur mit einer entsprechenden Sehhilfe, wie etwa einem Nachtsichtgerät, verfolgen. Man sieht also nicht nur den Punkt, sondern auch wirklich den gesamten Laserstrahl und kann ihm somit mit dem blick folgen. man sieht diesen IR-Laser sehr häufig in den modern-Warfarte-Teilen von Call of Duty im Singleplayer, wenn man das Nachtsichtgerät benutzt. Diese Sichtbarkeit durch nachtsichgeräte heißt aber auch, dass der Strahl auch durch Gegner sichtbar ist.

Meist bieten diese Lichtmodule noch zusätzlich einen Scheinwerfer, so dass man ohne Nachtsicht ebenfalls einen dunklen Raum ausleuchten könnte. Man verrät dabei einerseits seine Position durhc das Scheinwerferlicht, blendet aber andererseits auch Feinde, die in das Scheinwerferlicht blicken, wobei der nachteil dabei in der Regel jedoch den Vorteil überwiegt. Eine Kombinationa aus Laser und Scheinwerfer ist dabei auch möglich.

Die Praxistauglichkeit eines Laserlichtmoduls

Ein Laserlichtmodul als Zielhilfe ist oftmals sehr unpraktisch, weil:

  • Der Laser von Nachtsichtgeräten sehr leicht identifiziert wird
  • das Ziel auf sich selbst abgebildet sehen kann, dass es anvisiert wird.

Einen praktischen Nutzen hat ein solches Lasterlichtmodul aber beispielsweise im Orts- und Häuserkampf, es ist nämlich dadurch wirklich möglich, vollkommen das Gewehr im Hüftanschlag zu belassen und sich nur auf den Laserpunkte vor sich zu konzentrieren. Unter Nachtsicht beispielsweise kann man den Laserstrahl in seinem Sichtfeld folgen, unter normaler Sicht jedoch braucht man ein festes Objekt, an dem sich der Laserpunkt abzeichnen kann, um ihm mit dem Auge folgen zu können – das ist vor Allem im Freien nicht immer gegeben. Man kann sich jedoch vorstellen, dass ein solches Laserlichtmodul im Feuerkampf in beengten Räumen Gold wert sein kann. In allen anderen Einsatzszenarieren jedoch hat es oftmals keinen großartigen Wert.

 Restlichtverstärker

Restlichtverstärker in diesem Zusammenhang sind die primäre Funktionseinheit eines typischen Nachtsichtgeräts. Sie verstärken, einfach ausgedrückt, das restliche vorhandene Licht. Für den Fall, dass kein Restlicht mehr vorhanden ist, verfügen diese Nachtsichtgeräte meist noch über eine IR-Einheit, welche die Umgebung dann durch Infrarotlicht weiter aufhellt und somit wieder ein Licht liefert. Dieses Licht ist dann aber auch durch feindliche Nachtsichtgeräte sichtbar, man blendet sich teilweise gegenseitig, wenn man sich ansieht, weil man den Lichtkegel von der IR-Einheit des jeweils anderen sieht. Ein ähnlicher Effekt tritt auf, wenn man mit angeschalteter IR-Einheit in einen Spiegel guckt. Die Blendung ist dabei aber nicht besonders stark, ich würde es aber als störend bezeichnen, wenn man durch die Visiereinrichtung seines Sturmgewehres guckt.

Es gibt Restlichtverstärker mit einem Eingang (einem Auge vorne dran) und zwei Eingängen (zwei Augen vorne dran). Der Nachteil bei jenen modellen mit einem Eingang ist, dass dem Nutzer des Nachtsichtgeräts kein dreidimensionales Sehen ermöglicht werden kann, das bedeutet, er kann Entfernungen zu einem nahen Objekt oft nicht richtig einschätzen, was dazu führt, dass Unerfahrene häufig gegen Wände laufen o. Ä. Besonders problematisch ist das, wenn man ohne eingeschaltetes Abblendlicht mit Nachtsicht ein Kraftfahrzeug führen will.

Bei dem derzeitig verbreiteten Nachtsichtmodell der Bundeswehr, der „LUCIE“, gibt es leider nur einen Eingang. Es wird nach und nach ein Nachfolger mit zwei Eingängen nachgerüstet, im Einsatz ist er sogar schon überwiegend zum Standard geworden.

Zudem muss man beim derzeitigen Modell den Linsenfokus immer von Hand verändern, das bedeutet, man muss vorner am Eingang des Nachtsichtgeräts drehen, um das Bild wieder scharf zu stellen. Moderne Varianten fokussieren automatisch abhängig davon, wo der Soldat gerade hinguckt.

Die als Nachtsichtgerät verwendeten Restlichverstärker werden meist entweder in Form einer Haube direkt auf dem Kopf getragen oder über ein Gurtsystem am Helm befestigt.

Es gibt auch Restlichverstärker, die als Aufsatz für die Zieleinrichtung eines Sturmgewehrs konzipiert wurden. Dabei wird nicht das Sichtfeld des Soldaten beeinflusst, sondern lediglich das Zielbild der Zieleinrichtung verändert, indem beispielsweise dem Zielfernrohr des Gewehrs die Restlichverstärkereinheit vormontiert wird. Der vorteil ist, dass der Soldat sein dreidimensionales Sehen beibehält und durch Fremdlicht nicht geblendet wird (wie etwa durch Scheinwerfer), desweiteren wird sein Sichtfeld nicht von den Okkularen des nachtischtgeräts eingeschränkt. Der nachteil ist, dass der soldat eben das Umfeld nicht restlichtverstärkt beobachten kann, er muss das, was er sich ansehen will, immer mit der Zieleinrichtung seines Sturmgewehrs verfolgen. Ein Beispiel für eine solche Zieleinrichtung ist etwa das NSA 80 für das G36.

 

Im zweiten Teil werde ich das Thema noch mal ein wenig vertiefen.

 

So long

Freak Out!

Über dafrk

IT Consultant in den Bereichen SAP, SAP HANA, Internet of Things, Digital Transformation und IT Security
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