Motivation #1 – Kampfgeist – Tatendrang – Selbstdisziplin

In der Kategorie Motivation will ich nichts anderes, als euch zu motivieren.
 

Selbstdisziplin und Kampfgeist

Locke explains that he could help the moth by slitting the cocoon, but it would not survive. Instead, the moth needs to struggle to break free. Nature and struggle make people stronger, Locke says, indicating to Charlie that he needs to fight through his suffering.

[engl. Wikipedia über die siebte Lost-Episode]

Vielleicht erinnern sich noch einige von euch an die siebte Episode der ersten Staffel von Lost. Die Figur Locke erklärt dabei, dass er einer Motte beim Ausbruch aus ihrem Kokon helfen könnte, indem er ihn leicht anritzt, die Motte dann aber nicht alleine in der Natur überleben würde, weil sie zu schwach wäre.

Struggle is nature’s way of strengthening

Ich denke diese Metapher ist eine sehr gute Erklärung für die Art und Weise, wie das Leben funktioniert. Das Leben ist eine Ansammlung von Herausforderungen, auf die wir nur dann vorbereitet sein und sie meistern können, wenn wir gelernt haben, um ihr Bestehen zu kämpfen.

In dem heutigen Thema geht es also um

  • das Wahrnehmen von Chancen
  • den Willen zum in-die-Hand-nehmen des eigenen Schicksals
  • den Willen des Verändern des eigenen Lebens
  • den Willen, Sachen durchzuziehen
  • den Willen, sich von Sachen zu lösen, die einen bisher aufgehalten haben
  • den Willen, etwas in seinem Leben zu verändern
  • den Mut, Hürden auf seinem Weg zum Ziel zu meistern
  • Tatendrang
  • die Einsicht, dass wir etwas tun müssen

Was wir hier erreichen wollen, ist also, die Kernkompetenzen herauszuarbeiten, die uns bei diesem Vorhaben helfen und unterstützen. Wir beschränken uns hier auf Motivation, Tatendrang und Kampfgeist.

Selbstdisziplin und Tatendrang

Ich fange mit dieser Kompetenz an, weil das zum Einen das Allerwichtigste ist und ich zum Anderen von Steve Pavlina dazu inspiriert wurde. Dieser hat über das Thema Selbstdisziplin eine fünfteilige Artikelserie geschrieben, die ich euch wärmstens ans Herz legen will.

Selbstdisziplin ist die Fähigkeit

  • auf etwas Verlockendes zu verzichten, um dafür auf lange Sicht mehr Gewinn daraus zu schlagen
  • zu handeln, egal, in welcher Verfassung man sich gerade befindet

Was das heißt

Im Buch „Soziale Intelligenz“ von Daniel Goleman gibt es eine Stelle, bei der er eine Studie beschreibt, in der kleine Kinder in einen Raum mit einem Bonbon geschickt werden. Ihnen wird versprochen, dass wenn Sie bis zum Ablauf einer bestimmten Zeit das Bonbon nicht essen, als Gegenleistung dafür am Ende zwei davon kriegen. Die Kinder, welche bis zum Ende warten, anstatt sich gleich zu Beginn das eine Bonbon zu holen und zu gehen, zeigten später eine bessere Lebensdynamik und einen höheren Tatendrang. Sie erwarten nicht, dass ihnen etwas im Leben geschenkt wird.

Diese Bild kann man auf so ziemlich jede Alltagssituation des Lebens anwenden. Wir werden, vor allen Dingen in unserem modernen Lebensstil, ständig von Sachen verführt: Das schnelle Geld, der schnelle Genuss durch einen saftigen Burger, und das geht immer weiter runter bis zu unseren ureigensten Instinkten. Eines haben diese „schnellen“ Sachen meist gemeinsam: Sie sind anfangs sehr genussvoll, doch später leidet man unter ihren Spätfolgen. Sie sind entweder

  • ungesund für unseren Körper
  • liefern zwar schnell Erfolge, in der summe gesehen jedoch weniger als bei einem langwierigeren Prozess
  • haben Nebenwirkungen, die sich negativ auf andere Aspekte unseres Lebens auswirken, wie etwa unsere Libido oder, unseren Charakter
  • oder sind nur von kurzer Dauer und rauben uns die Zeit dafür, die nötigen Anstrengungen zu unternehmen, um den Erfolg in besserer Qualität dauerhaft zu halten.
Auch die großen Denker, Schriftsteller und Dichter der früheren Zeit haben diese Lehre schon erkannt. Deswegen gibt es so viele Gleichnisse vom Pakt mit dem Teufel, der dem Geläuterten sinnliche Gelüste in seiner Lebenszeit zum Tausch gegen seine Seele für die postmortale Ewigkeit anbietet.

Neben dieser Schwäche, auf etwas zu verzichten, verspüren viele Menschen einfach zu wenig Dynamik und Tatendrang in ihrem Leben. Der Wille dazu, aktiv in das erlebte Lebensgeschehen einzugreifen, ist hier oft sehr wenig ausgeprägt. Die Ursache dafür liegt oft in schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit durch Versagen, beispielsweise in der Schule. Sie verspüren große Unlust gegenüber Unternehmungen, sind sehr unspontan und bodenständig – sie bleiben lieber beim Bewährten, anstatt etwas Neues zu versuchen. Das Leben wird so akzeptiert, wie es ist, und es werden keine weiteren Chancen wahrgenommen.

Ein guter Freund von mir hat es beispielsweise noch bis Anfang 20 gescheut, auf Partys mitzukommen, bei denen er den Großteil der Leute nicht kennt. Der Veranstalter der Party musste jemand sein, zu dem er bereits eine gute Beziehung hatte, auf Partys von „Fremden“ ging er nie mit. Dadurch hatte er lange Zeit einen konstanten Freundeskreis aus wenigen Leuten, der sich nie ausweitet. Noch dazu jedoch hat er diesen kleinen Freundeskreis kaum gepflegt, er war überwiegend damit beschäftigt, sich staffelweise Serien reinzuziehen

Ich denke, dass diese Isolation nichts mit irgendeiner „Internetsucht“ o. Ä. zu tun hatte, denn es gab zu diesem Zeitpunkt keine Art Online Game oder etwas ähnliches, was ihn zu Hause gehalten hätte, und ich glaube nicht, dass man von Serien derart süchtig wird, dass man nicht mehr aus dem Haus will. Ich denke, ich kann relativ sicher sagen, dass es die Angst vor dem Unbekannten war. Wir wohnen in einem 4000-5000-Seelendorf. Er hatte bereits damals in der Grundschule aus der Umgebung kaum Bekanntschaften geschlossen, ein Großteil seiner Freunde kam und kommt heute noch aus der nächsten, 20 Kilometer entfernten Stadt. Das führte dazu, dass er an seinem eigenen Heimatort bis auf mich nichts hatte, was ihn aus dem Haus bekommen konnte. Da ich jedoch ständig auf Veranstaltungen unterwegs war, wo es wieder in das Unbekannte ging (wo größtenteils neue Leute sind, die er noch nicht kannte oder wo es um ein Hobby ging, das er selbst noch nicht ausprobiert hatte), war ich ihm auch keine großartige Hilfe. Ich glaube also mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können, dass er sich irgendwie davor gescheut hat, bei etwas „Neuem“ zu scheitern – beispielsweise bei den unbekannten Leuten auf der Party schlecht anzukommen, oder andere aufzuhalten, wenn es darum geht, eine neue Sportart anzufangen.

Irgendwann jedoch machte es scheinbar Klick bei ihm – es begann damit, dass er mehr in sozialen Netzwerken unterwegs war. Da werden sich jetzt einige von euch räuspern, schließlich ist das nicht gerade die Definition von jemandem, der sein Leben selbst in die Hand nimmt – mehr im Facebook surfen. Aber es war nicht die verstärkte Aktivität, sondern die Art und Weise, wie er dort unterwegs war. Ständig postete er mir irgendwelche Songs auf die Pinnwand, und er begann sogar, mich zu Veranstaltungen einzuladen mit Kommentaren wie „geh ma hin?“ Mich beschlich langsam das Gefühl, dass er aus irgendeinem Grund zu mehr Lebensfreude gefunden hatte. Als wir uns daraufhin auch wieder öfter sahen, war er redseliger geworden – er hatte auf einmal so viele Themen, über die er sich unterhalten wollte. Man konnte richtig aus ihm heraushören, dass er begonnen hatte, sich über Themen wie Studiengänge (er hat zu der Zeit gerade das Abitur gemacht), Technologie (besonders im Bereich IT-Hardware) und Medien (Filme, Serien, die neuste Musik usw.) zu stürzen. Er hatte etwas zu sagen und zu erzählen, und er diskutierte auf einmal gerne.

Es ging damit weiter, dass er dann plötzlich anfing, mich dazu zu überreden, auf irgendeine Fete zu gehen, anstatt dass es umgekehrt passiert wäre. Auf diesen Feten hat er dann Aktionen gebracht, die ich nicht von ihm erwartet hätte – beispielsweise ist er auf der Tanzfläche mal sehr offensiv-charmant auf Mädels zugegangen, und obwohl es zu keiner großartigen Bekanntschaft kam, so hatte ich den Eindruck, dass er ihnen sympathisch war. Früher konnte man gar nicht sagen, dass er Frauen gegenüber irgendwie sehr souverän rüber kam.

Irgendwann, als dieser Zustand dann etwa zwei Wochen angedauert hatte, habe ich ihn darauf angesprochen, woher der Sinneswandel kommt. Er meinte, dieser Tatendrang danach, das Leben etwas mehr zu genießen, sei ihm gekommen, als er sich seine Serien reinzog. Weil die Leute da immer so glücklich waren und sich selbst über kleine Dinge gefreut haben –  und weil er gesehen hat, wie sich aus „kleinen“, fast schon alltäglichen Dingen, die diese Leute bestritten haben, wie etwa ein Blind Date oder eine Sporttour, lustige/unvergessliche Momente oder berufliche/soziale Chancen ergeben haben. Natürlich war ihm bewusst, dass das alles nur gespielt war, aber irgendwie leuchtete mir seine Logik ein. Denn schließlich werden diese Plots für die Serien ja auch nur von Menschen geschrieben, die irgendwie ein Stück ihrer Lebenserfahrung in ihr Werk einmeiseln: Tu etwas in deinem Leben, sei aktiv, und du wirst dafür belohnt.

Was uns vom „Tun“ abhält

Oftmals halten uns unsere Gefühle davon ab, bestimmte Sachen anzupacken. Berüchtigt dafür sind

  • Angst vor Versagen
  • Angst vor dem Risiko
  • Angst vor der Herausforderung (Schmerz, körperliche Anstrengung, Stress)
  • Zweifel an der Effektivität unseres Vorhabens
  • Abneigung gegenüber dem Ziel oder denjenigen, die im Allgemeinen nach diesem Ziel streben.
  • Schnelles Aufgeben bei anfänglichem Scheitern
  • Versuchen, die Herausforderung zu umgehen
  • Faulheit
  • Unwille, zum Erreichen des Ziels auf andere Vorzüge des Lebens zu verzichten
  • Eingesperrtsein in Stress, Depression, Trauer, sozialer Zurückgezogenheit, Verwahrlosung

An all diesen Faktoren lässt sich arbeiten, aber nur, wenn man es auch wirklich will. Ein wirklich fauler Mensch wird immer faul bleiben, nur wer sich ändern will, es aber noch nicht schafft, hat das Potential dazu, es dann doch zu tun.

Was wir dadurch verpassen

  • Wir verpassen die Chance, nette Leute kennen zu lernen, mit denen wir Interessen teilen können, mit denen wir unser Leben gemeinsam gestalten und weiter entwickeln können, und mit denen wir enge Beziehungen aufbauen können
  • Wir verpassen berufliche Chancen, die sich aus der Tätigkeit oder den Leuten, mit denen wir sie teilen, ergeben können
  • Wir verpassen Erlebnisse und glückliche Momente, dem höchsten Gut unseres menschlichen Daseins, geradezu dem, was uns als Menschen auszeichnet
  • Körper und Geist werden sich nicht weiterentwickeln, sondern in diesen beiden Bereichen sogar eher mehr und mehr verfallen
  • Wir werden nie stärker werden. Künftige Probleme zu meistern wird uns genau so schwer fallen wie bisher, wir werden auf nichts vorbereitet sein, das Leben wird eine Ansammlung von Qualen sein, weil wir nie das Werkzeug gelernt haben, das nötig ist, um die Herausforderungen des Lebens zu meistern.
  • Wir verpassen Inspiration, die sich aus unseren Tätigkeiten ergibt. Wir werden nie die packende Idee für den Roman, den Film, das Gemälde, die Geschäftsidee, das Gedicht oder das Lied haben, das ansonsten unser Leben verändert hätte.
  • Wir selbst bleiben langweilig und uninteressant für andere Leute. Weder beruflich, noch sozial werden wir als ein „guter Fang“ betrachtet. Deshalb werden wir ständig nur von anderen Leuten abgewiesen.

Wie das aufhört

Die Schritte zur Selbstdisziplin sind

  • Erkennen.
    Du weißt, dass etwas falsch ist und du weißt auch genau, was falsch ist. Es geht darum, zu erkennen, dass etwas getan werden muss
  • Herausfinden, was getan werden muss.
    Das ist oftmals nicht ganz so leicht. Oftmals findet man ohne Starthilfe nicht die Lösung, wie bestimmte Dinge angegangen werden müssen. Das ist normal. Noch kein wissenschaftlicher Meilenstein, noch kein sportliches Rekord, noch kein weltbewegendes Ereignis ist entstanden, ohne dass sich vorher jemand Gedanken darüber gemacht hat. Hier geht es um das Streben nach diesem Know-How und das Durchhaltevermögen dazu, dies auch durchzuziehen
  • Tatendrang entwickeln, Motivation finden.
  • Hürden verkleinern. Ängste können besänftigt werden, indem man sich über Risiken aufklärt, sich gegen sie wappnet
  • An die Hürde herantasten
  • Hürden überwinden.
  • Machen!

You’re overweight. Lose 20 pounds – Steve Pavlina.

Fiktives Beispiel

Stefan erklimmt die Bergspitze

Stefan hat noch nichts erlebt in seinem Leben, und das ärgert ihn von Tag zu Tag mehr. Er kennt keine Leute, die weiteste Strecke, die er sich je aus Eigenantrieb von seiner Haustüre entfernt hat, war die Strecke zu Orten, an denen es ihm eigentlich noch schlechter ging: Das Amt, die Schule, der ganze Kram eben, den ein Mensch so hinter sich bringen muss, wenn er in Ruhe gelassen werden will. Stefan weiß, dass sich etwas ändern muss, er erkennt: Es muss einen Weg geben, von zu Hause weg zu kommen, dabei Spaß zu haben und Leute kennen zu lernen. Stefan beschließt: Ein Hobby muss her! Stefan interessiert sich für das Klettern, zweifelt aber daran, dass er dadurch Leute kennen lernen wird, weil man sich dabei meist nur für einen Tagestrip sieht und danach nichts mehr voneinander hört. Außerdem hat er davon gehört, dass man für diesen Sport starke Arme haben muss und körperlich geschickt sein sollte, weil man sonst den Rest der Gruppe aufhält – und hat daher Angst davor, nur Ballast zu sein. Außerdem ist die Ausrüstung in der Erstanschaffung sehr teuer, und die kann er sich nur schwer leisten.  Stefan gibt noch nicht auf und stoßt im Internet auf den deutschen Alpenverein, der Schnupperstunden anbietet. Stefan fasst Mut und begibt sich zu den gewöhnlichen Trainingszeiten zum nächstgelegenen Vereinshaus. Dort wird Stefan enttäuscht: Das Vereinshaus ist abgeschlossen, keiner ist vorzufinden. Frustriert geht stefan nach Hause. Trotz dieses Rückschlages gibt er nicht auf, sondern will sich gerade in einer Suchmaschine nach dem übernächsten Vereinsstandort umsehen, als er beim Rumklicken auf der Seite erfährt, dass sich der Verein, bei dem er heute vorbeischauen wollte, auf einer Tour befindet. Stefan beschließt, in der nächsten Stunde nach Tourenende noch einma vorbeizusehen. Er schnuppert beim Verein rein und erscheint zu einer Probestunde. Dort merkt er, dass er körperlich zwar den erfahrenen Mitgliedern hinterherhängt, aber mit den Vereinsneulingen mithalten kann. In den Pausen setzt sich Stefan zu den Mitgliedern und hört zu, wie sie abwechselnd von ihren letzten Klettertouren erzählen, außerdem merkt er, dass sich alle beim Vornamen anreden und sich miteinander gut verstehen. Einige verabreden sich für danach zu anderen Freizeitaktivitäten – einige sehen sich miteinander das Spiel an, andere gehen zusammen in die Diskothek. Auch Liebespaare sind im Verein, ebenso wie Arbeitskollegen. Durch Recherchen im Internet, aufmerksamkes Lernen und den Austausch mit den anderen Mitgliedern lernt Stefan sehr schnell und fällt, obwohl Neuling, zu Beginn sehr positiv auf. Im Vereinslokal kann er Kontakte knüpfen und wird so zu einer Grillparty eingeladen. Dort wirkt Stefan sehr gesellig und wird daher in sozialen Netzwerken geaddet, worauf hin sich weitere Einladungen außerhalb des Vereins ergeben. Stefan lernt nun durch den Verein jedes Wochenende ständig neue Leute kennen. Im Verein macht Stefan den Kletterschein. er bewirbt sich bei einer kletterhalle als Sicherungspersonal und arbeitet nun am Wochenende dort. Später sollte er hier eine Festanstellung bekommen. Stefan ist mit dem Verein oft auf Bergtouren und hat dadurch ein neues hobby entwickelt: Die Fotografie. Seine Tourenfotos finden auf FlickR guten Zuspruch. Stefan beschließt, ein Fernstudium im Bereich Medien zu starten, später sollte er sich in dieser Branche noch selbständig machen.

Die Philosophie dahinter

Steve Pavlina hat es glaube ich recht gut beschrieben in seinem Artikel über Selbstdisziplin:

Self-discipline is like a muscle. The more you train it, the stronger you become. The less you train it, the weaker you become.

Das lässt sich auch genau so auf Motivation und Kampfgeist ausweiten. Ich kann das bei mir beobachten. Ich war schon ziemlich oft in der Situation, dass ich irgendwo ein „Anfänger“ war. Ich konnte dabei beobachten, wie ich immer wieder die gleichen Stufen vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen durchgemacht habe.

  • anfängliches, eigentlich schon frustrierendes Scheitern
  • nicht darauf kommen, wie andere bestimmte Sachen machen
  • Hinterherhängen

Mit anfänglichem Scheitern ist beispielsweise gemeint, dass ich zunächst meist partout keinen Weg finde, wie ich das auserkorene Hobby bei mir anfangen kann. Es scheitert manchmal an Sachen wie

  • der nächstbeste Ort, um es auszuüben, ist zu weit entfernt, um es regelmäßig zu wiederholen
  • ich finde keinen Einstieg in das Hobby, das heißt, ich finde beispielsweise keinen Verein oder keine Schule, bei der ich anfangen könnte, oder bei den Suchergebnissen, die ich finde, passt mir irgend etwas nicht
  • wenn ich zu einer Stunde erscheine, hat das Gym, das Vereinshaus oder die Schule irgendwie geschlossen / Betriebsurlaub
viele hören bereits an dieser Stelle auf und probieren es dann erst nicht weiter, das bedeutet, sie kommen erst gar nicht so weit, es zu versuchen, weil sie schon bei der Vorbereitung zum ersten Versuch scheitern.

Wenn ich dann anfange, dann hänge ich meistens hinterher. In der Regel ist der Grund dafür, dass sich andere auf das entsprechende Hobby schon länger vorbereitet haben / es schon länger ausüben oder in einem früheren Alter damit beginnen. Im Muay Thai, einer thailändischen Kampfsportart, hieß das beispielsweise für mich, dass ich am Anfang bestimmte Techniken nicht ausführen konnte, weil meine Muskulatur nicht ausreichend gedehnt war. Außerdem kam ich verhältnismäßig schnell kraftausdauermäßig aus der Puste, weil ich die entsprechende Muskulatur, die in dem Kampfsport gebraucht wird, zuvor nicht wirklich geschult habe. Andere Leute in meinem Alter fangen mit dem Hobby entweder schon früher oder gar nicht an, was bedeutet, dass ich als einer der Wenigen, der noch als Späteinsteiger hinzukommt, es anfangs schwer haben. Die selben Erfahrungen mache ich zurzeit beim erlernen eines Musikinstruments. Die anderen haben sich bereits in jungen Jahren mit Musik an sich beschäftigt usw. Ich jedoch lasse mich davon nicht unterkriegen, weil ich:

  • diese Erfahrung bereits schon öfter gemacht habe und 
  • immer aufgeholt habe, das bedeutet, ich war irgendwann früher oder später auf dem gleichen Level wie die anderen Vereinsmitglieder. Das ist eine logische Konsequenz, denn die Lernkurve derjenigen, die schon länger dabei sind, flacht mit der Zeit immer weiter ab, während die eigene noch sehr steil ist. Das bedeutet, dass der Vorsprung immer kleiner wird, obwohl man ihn nie ganz einholen kann (wäre etwas für die Mathematiker -> Infinestimalrechnung :D), es sei denn, man ist dann in der Phase, wo die eigene Lernkurve auch schon so abgeflacht ist, produktiver als die anderen und genau das
  • schaffe ich auch meistens, weil ich aufgrund der in anderen Posts geschilderten Techniken, wie etwa Ordnung und Zeitmanagement, sehr effektiv bin, ebenso wie im organisieren und finden von Informationen. Und außerdem bin ich höllisch motiviert.

wichtig ist also, dass ihr euch in dieser Phase genau das gleiche denkt wie ich. Viele fühlen sich in dieser Phase wie ein Klotz am Bein, und genau diese Phase ist auch das, wovor sich die Leute fürchten, wenn sie etwas neues anfangen: vor dem Versagen. Besonders schlimm wird es dann, wenn diese Phase mit Enttäuschungen oder sogar mit finanziellen Verlusten zu tun hat. Ein gutes Beispiel wäre hier etwa eine Existenzgründung. Am Anfang, wenn das theoretische Know-How zwar schon da ist, das praktische Know-How aber noch fehlt, tun sich viele frische Existenzgründer schwer, weil anfangs eventuell noch kein großer Kundenstamm aufgebaut wird und man deshalb zu Beginn schwarze Zahlen schreibt. Gleiche Erfahrungen etwa machen Künstler wie etwa DJs, Maler oder Webdesigner, weil ihnen zu Beginn noch das Gespür dafür fehlt, was zurzeit „angesagt“ ist, sprich mit welcher Ausprägung ihrer Kunst sich derzeit Geld verdienen lässt. Sobald dann das erste mal Verluste am Monatsende anstelle von schwarzen Zahlen anstehen, springen die meisten ab, weil sie das weitere Risiko scheuen (was nicht immer verkehrt ist). Wer jedoch schon öfter in dieser Situation war, weil er beispielsweise schon oft diese Phase durchgemacht hat, der wird sich an dieser Stelle eher aufraffen und sich vielleicht sogar sagen

„ja das ist doch ganz normal, das ging dir bei deiner letzten Arbeitsstelle so, das ging dir beim Kampfsport so, das ging dir beim Musikinstrument so, wie kannst du jetzt erwarten, dass es bei der Existenzgründung plötzlich anders ist?“.

Andere hingegen, welche diese Situation noch nicht oft durchgemacht haben, verzweifeln hier oft. Ein sehr alltägliches Beispiel ist beim Flirten auszumachen. Es ist normal, dass man als Jugendlicher, wenn man anfängt, sich das erste mal so richtig für das andere Geschlecht zu interessieren, die ersten Male eine Abfuhr bekommt, das passiert wirklich den Besten. Ich persönlich kenne aber viele Leute, und ich würde sogar sagen es ist der Großteil, der mittlerweile komplett aufgegeben hat, offensiv auf das andere Geschlecht zuzugehen. Sie argumentieren: „Ich habe noch nie beim spontanen Flirt jemand kennen gelernt, sondern immer nur über den Freundeskreis, über den Verein oder die Arbeitsstelle, weil sich da über lange Zeit gesehen etwas angebahnt hat. Durch Spontanität wurde ich bisher nur abgewiesen“.

Ich will diesen Weg nicht verurteilen, es ist sogar äußerst romantisch, wenn man sich Schritt für Schritt näher kommt. Aber diese Laune , aufgrund der anfänglichen Abweisung bei der spontanten Strategie, diesen Weg gar nicht mehr zu wählen, ist nichts anderes als Resignation, weil man mit dieser Situation des anfänglichen Scheiterns, des „hinterherhängens“, nicht klar kommt.

Eine weitere Theorie, mit der ich Steve Pavlinas Argument bekräftigen will, ist, dass ich bei meinen ganzen neuen Hobbies, Zielen und Projekten, die ich bisher gestartet habe, immer erst dann Erfolg hatte, wenn ich aktiv ins Geschehen eingegriffen habe. Einige sagen jetzt: Aber ein neues Hobby, ein neues Projekt oder ein neues Ziel anzustreben ist doch bereits aktives eingreifen, aktiver geht es doch nicht mehr? Nun, man kann auch passiv-aktiv sein, so wie ich immer gerne rede. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man sich etwa für die Abendschule anmeldet. Das ist ja schonmal sehr motiviertes, aktiv-aggressive Lebensgestaltung, wie ich sie hier in meinem Post so hoch lobe und predige, oder? was aber ist jetzt, wenn derjenige welche nun in die Abendschule geht und dort ein Nischendasein fristet, sprich sich am Unterricht nicht beteiligt, zu Hause keine Hausaufgaben macht und nur das Nötigste tut, einfach nur um „sagen zu können“, dass er in der Abendschule ist? Der Mensch wird sogar nicht unbedingt durchfallen, das will ich gar nicht behaupten, aber ich denke er wird nicht den vollen Erfolg aus der Abendschule áusschöpfen wie jemand, der aktiv Fragen stellt, sich vielleicht im Internet noch Zusatzlektüre holt und sich dort mit Anderen austauscht usw.

Mein Erfolg hat sich immer erst dann eingestellt, wenn ich genau das gemacht habe: Online Tutorials ansehen, Artikel lesen, in Foren mitdiskutieren, auf viele Veranstaltungen gehen, wo Leute mit gleichen Interessen sind.

Ein sehr guter Vergleich sind beispielsweise Extremsportarten. Jemand, der einmalig an einem Snowboardkurs teilnimmt, der wird lernen, zu snowboarden, und zwar so, dass er relativ stilvoll von oben nach unten gleiten kann. Die richtigen „Skills“ wird aber nur der lernen, der jede Saison von Skigebiet zu Skigebiet pendelt, sich dort mit den anderen Boardern austauscht, jeden Kicker überspringt, der ihm in den Weg kommt, sich im Internet Videos ansieht, und der selbst an seinem Board rumschraubt – mal den Bindungswinkel verändert, mal ein anderes Board ausprobiert – und so weiter. Der einmalige Snowboardkurs lässt sich gleichsetzen mit der Anmeldung zur Abendschule, das Rumtrampen von Skigebiet zu Skigebiet mit der aktiven Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsstoff.

Um es also kurz zu sagen: Durch die immer wiederkehrenden gleichen Situation beim Überwinden von Hürden, die sich mir in den Weg stellen, fallen mir diese Hürden, auch wenn sie anders sind als die letzten, immer leichter. Das ist ungefähr wie beim Muskeltraining: Auch wenn eine andere Muskelgruppe beansprucht wird – wer vorher allgemein viel Sport getrieben hat, wird es leichter haben, einen Berg hochzuklettern, als jemand, der vorher gar keinen Sport getrieben hat.

Worum es jetzt hier geht ist: Je mehr Herausforderungen ein Mensch in seinem Leben hat, desto leichter hat er es auch im Leben. Dazu gehört aber, dass man auch wirklich den Willen hat, möglichst viele Herausforderungen anzunehmen, und diese Herausforderungen auch durchsteht, egal, welche Schmerzen und Qualen man dabei durchstehen muss, seien sie physisch oder seelisch. Es geht hier einfach um die Fähigkeit, Probleme zu lösen, und um diese Fähigkeit auszubauen, braucht man Kampfgeist und Standfestigkeit.

Menschen, die sich viel mit den Hürden und Herausforderungen des Lebens beschäftigen, fallen dadurch auf, dass sie später, wenn sie bereits erfahrener sind, auf so ziemlich Alles vorbereitet sind. Man erkennt also motivierte Menschen meist daran, dass man das Gefühl hat, dass sie jede schlechte Nachricht kommen sehen. So stumpfsinnig das klingt, aber das Militär ist eine ziemlich gute Anlaufstelle, um zu einem Beispiel auszuholen. Wer den Grundwehrdienst mitgemacht hat oder auf eine andere Art und Weise eine solche Situation nachvollziehen kann, der hat oft Sätze gehört wie:

„Wie wollen Sie…

  • Feinde kampfunfähig machen
  • Etwas zu essen haben
  • Feuer machen
  • schlafen
  • Deckung finden
  • etc.
Wenn
  • dies oder jenes nicht da ist
  • dies oder jenes nicht funktioniert
  • Sie dies oder jenes nicht beherrschen

so hart es klingt, aber diese Lehren sind keine dummen Sprüche, sondern das ist einfach nur souveränes Denkvermögen gegen die möglichen Herausforderungen, die im Gefechtsleben auf einen zukommen können. Sowas nennt man vorbereitet sein oder auch sehr treffend ausgedrückt: Schlagfertigkeit

Schlagfertigkeit? Better drink My own piss

Befreiungsschläge

Ich habe bereits angedeutet, dass ich bis in meine Zwanziger ein in meinen Augen relativ sinnloses Leben geführt habe, in dem ich kaum produktiv war. Einige Zeit nach meinem 20. Geburtstag – wahrscheinlich war es der psychische Effekt, der mir klarmachte, dass nun ein neuer Lebensabschnitt, ein neues Jahrzehnt von mir, beginnt – da machte ich mir klar, dass es so ist. Mir wurde bewusst, dass ich bisher nicht wirklich etwas in meinem Leben erreicht hatte. Ich hatte meinen Schulabschluss und meinen erlernten Beruf, aber

  • ich hatte keine Beziehung
  • ich hatte einen kleinen Freundeskreis
  • ich war körperlich nicht fit, hatte leichtes, wenn auch nicht bedeutendes, Übergewicht
  • ich hatte nicht viele Hobbies
  • ich war in nur wenigen Dingen wirklich begabt, konnte nichts wirklich gut
  • ich war nicht glücklich

Was ich tat, war so ziemlich das, was ich hier mache: Gedanken sammeln. Ich habe mich selbst auf eine Art Befreiungsschlag vorbereitet. Was ich gemacht habe, ist, mich mit Junk-Food in meinem Keller einzusperren, aber in dieser Zeit nicht irgendwelchen Schwachsinn im Internet zu machen, sondern zu recherchieren, wie ich mein Leben ändern konnte. Ich begann

  • mich nach interessanten Hobbies umzusehen und wo ich diese dann in der Nähe meines Wohnortes hätte ausüben können
  • mehr Lebensfreude zu entwickeln – mich mehr auch an kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen, wie den aktuellen Musik-Charts und den aktuellen Themen aus den Nachrichten, um bei alltäglichen Gesprächen mitreden zu können
  • ich habe mich über gesunde Ernährung und Sport informiert

und dann kam der Befreiungsschlag selber

  • komplette Bude aufgeräumt
  • im Sportgeschäft mit Sportzeug eingedeckt
  • angefangen Sport zu treiben, war sogar einen Monat auf Prepaid-Basis in einem Fitness-Studio, hab danach autark für mich alleine weiter trainiert
  • hab mich für die Abendschule angemeldet
  • hab mir erste Hobbies zugelegt – damals waren es Inline-Skaten, Webdesign und auf Messen (CEBIT, GamesCom, RPC usw.) sowie Musik-Events gehen (Nature One usw.)
  • Ich habe AbuseMySkill gegründet

    Ich denke genau diese Phase, einen solchen Befreiungsschlag, hat auch mein Kumpel durchgemacht, als er sich dazu entschied, auf Basis einiger gespielter Alltagssituationen in irgendwelchen Serien sein Leben umzukrempeln.

Der Plan – wie es los geht

Und jetzt seid ihr dran

  • Führt einen Befreiungsschlag durch
  • fangt an, Sport zu machen
  • entwickelt Hobbies
  • meldet euch für Vereine, Kurse und berufliche Weiterbildungsseminare an
  • lernt Leute kennen
  • besucht Veranstaltungen und Events
  • Trennt euch schrittweise von Dingen, die auch aufhalten:
  1. Der nervige Job, der euch auf den Sack geht
  2. der nervige Lebenspartner, mit dem ihr eigentlich schon lange nicht mehr zusammen sein wollt
  3. Alkohol
  4. Rauchen
  5. Koffein
  6. zucker-/fettreiche Ernährung
  7. Zeitverschwendung vor Fernseher und Co.
  • organisiert euer Leben
  • werdet selbständig und unabhängig – lernt kochen und einen Haushalt zu führen

Ihr werdet auf diesen Wegen auf viele Herausforderungen stoßen. Übertreibt es dabei nicht. Handhabt es dabei wie beim Sport: Setzt euch Ziele, die ihr unter enormer Anstrengung gerade so erreichen könnt, und das immer wieder. Mit der Zeit werden eure Skills (eure Muskeln, wenn ihr es so wollt), stärker, und ihr könnt anfangen, härtere Herausforderungen anzupacken – genau wie beim Sport. Man trainiert zunächst immer so, dass man sich auspowert und gerade so das Training an sich schafft, um dann am Ende den Marathon zu schaffen.

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Eine Antwort zu Motivation #1 – Kampfgeist – Tatendrang – Selbstdisziplin

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