Soziale Intelligenz #1 – Gefühle sind ansteckend

In der Kategorie Soziale Intelligenz geht um den Umgang mit seinen Mitmenschen und die Vorteile, die sich aus dem Beherrschen dieser Disziplin heraus ergeben. Tipps zum Meistern von zwischenmenschlichen Alltagssituationen, Recherchehinweise u.v.m zum Thema findet ihr hier.
 

Mal ehrlich, wie geht es euch grade? Ich denke den meisten wird es gut gehen. Hat euch Dimitri etwa angesteckt mit seiner guten Laune? Genau darum geht es heute: Gefühle sind nachweisbar ansteckend, die Laune eines Menschen kann auf andere überspringen, wie bei einem Virus. Habt ihr es öfters schonmal gehabt, dass euch jemand Anderer in seiner depressiven Art mitgerissen hat, oder das Gegenteil, dass mal jemand sowas von abartig Party gemacht hat, dass ihr sofort auch das Bedürfnis danach hattet? Lest weiter, und wir ergründen das Phänomen gemeinsam

Gefühle können von einem Menschen Besitz ergreifen und ihn abhängig machen. Trendy ist das Bild, dass uns die Medien und die Gerüchteküche der Teenager unter dem Begriff „Emo“ rüberbringen will, dass sich diese Jugendkultur grundsätzlich erstmal anders definiert, könnt ihr ja auf Wiki nachlesen, wenn es euch interessiert. Diese werden oftmals für depressiv gehalten. Nicht jeder dieser depressiven Menschen ist so geworden, weil ihm selbst etwas schreckliches zugestoßen ist, sondern weil er die Welt für schlecht hält – weil er eben verstärkt das Schlechte sieht, was in der Welt vorgeht. Es kommt nicht selten vor, dass ein Mensch depressiv wird, weil er mit einem oder mehreren Menschen mitleidet.  Besonders stark ausgeprägt ist dies, wenn er Bekannte leiden sieht, oder wenn er gehäuft und regelmäßig andere Menschen leiden sieht.

Es gibt ein anderes Beispiel bei uns aus der Arbeit, quasi eine Eigenerfahrung von mir, die ich gerne erläutern möchte: Bei uns in der Arbeit verbreitet sich gerade der Ich-habe-keinen-Bock-mehr-auf-den-ganzen-Scheiß-Virus. Das ganze fing damit an, dass einigen Mitarbeitern Unrecht geschah, und das vermehrt. Den anderen ist in der Regel nie etwas passiert, sie fühlten jedoch sichtlich mit der Geläuterten Person mit. Diese Leute, die es immer wieder dick bekommen haben, haben mit der Zeit diese Scheiß-egal-Einstellung entwickelt und offen darüber gesprochen, es den anderen sozusagen direkt ins Gesicht gerieben. Diese Einstellung ist bei den Leuten nach Monaten entstanden, weil sie immer und immer wieder Rückschläge in der Arbeit verarbeiteten mussten. Was dann passierte, war ein sehr interessantes Phänomen: Sobald den anderen Leuten auch nur einmal so etwas ähnliches passierte, fingen sie sofort an, ebenfalls diese Einstellung zu entwickeln. Einige nahmen diese Einstellung sogar an, obwohl sie nie Ärger bekommen haben oder Unrecht behandelt wurden.

Das ist der selbe Grund, wieso eine Mutter mit ihrem Baby flirtet, denn wenn die Mutter ein fröhliches Gesicht macht, dann beginnt auch das Baby beinahe ganz automatisch wie von selbst zu Lachen. Das liegt nicht unbedingt daran, weil das Gesicht der Mama komisch aussieht, wenn sie lächelt, sondern, weil das fröhliche Gesicht der Mama Freude ausstrahlt, und die das Baby wiederum begrüßt, weil Freude meistens für Spieltrieb oder eine Belohnung steht.

Worauf ich hinaus will, ist, dass Gefühle ansteckend sind, und dass sich das ganz entscheidend darauf auswirken kann, wie andere Leute mit einem umgehen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass wir immer mies drauf sind, dann werden wir andere Leute ganz automatisch da mit reinziehen. Vielleicht ist es euch auch schonmal so ergangen, als ihr gerade irgendeine Veranstaltung besucht habt und der erste damit anfängt zu mosern: „Eigentlich ist das heute voll der Blödsinn, lasst uns nach Hause fahren, die Musik ist heute schlecht und es sind zu wenig Leute da.“ Und ihr müsst mal ganz genau aufpassen, was passiert, wenn alle anderen eigentlich noch Lust hätten. Zu Anfang werden alle anderen noch antworten: „Also ich find’s schön zurzeit“. Passt einmal auf, wie drastisch sich diese Einstellung mit der Zeit teilweise bei den Leuten ändert, je öfter der jeweils andere bekannt gibt, dass es ihm gerade nicht so gefällt. Er verdirbt den anderen sprichwörtlich den Spaß an der Sache – er zieht sie mit runter auf sein miesepetriges Gefühlslevel.

Was wir auch beobachten können, ist, dass uns Leute, denen gegenüber wir immer ein bestimmtes Verhalten entgegenbringen, uns in der selben Situation anders behandeln wie damals, als sie uns noch nicht einschätzen konnten. Leute, die mich privat kennen, kennen mich meist von Parties, und da fällt mir auf, dass egal in welcher Situation wir gerade stecken, ich so typische „Partybegrüßungen“ bekomme, wenn ich sie sehe. Einmal kam ich zu einem Freund heim, der meinte, ich solle zu ihm kommen, weil seine Freundin mit ihm schluss gemacht hat. Damals waren wir noch Teenager, da hat uns das noch ein wenig eher mitgenommen als heute :). Als ich dann mit Bier vor seiner Tür stand, hat er mich, obwohl er sichtlich mies drauf war, mit „Heyyyyyyyy Andy, kimm eina! Also aids muas i da a moi ois vozain weil mi des aufregt“ begrüßt. Er war also bei seiner Begrüßung gerade zu fröhlich, fast schon gut drauf. Sein Gesicht war voller Schmerz, aber sein Mund hat mich reingebeten, als wäre ich gerade zu seinem Geburtstag gekommen. Das war für mich der erste Abend, an dem ich ernsthaft darüber nachdenken musste, ob nicht jeder Mensch eine Art Zwischenspeicher hat, wie einer seiner Bekannten von der Persönlichkeit her so drauf ist, und sich ihm gegenüber aus dieser Information heraus ein bestimmte Verhaltensmuster aneignet. Mein Verdacht hat sich bestätigt, als wenig später ein gemeinsamer Freund von uns kam, weil er der gleichen Aufforderung gefolgt ist. Die beiden kannten sich vom Zocken und hatten deshalb im RL wirklich nicht viel miteinander zu tun, und als er rein kam, gab es folgende Begrüßung, ich weiß es noch relativ genau:

„Besucher: Hey, …, wie gehts?“

„Er: Bisschen dreckig ehrlich gesagt – alles Schlampen außer Mutti, weißt es eh“

Es gab also einen Grund, warum er ihn so niedergeschlagen begrüßt hat und mich schon fast umarmt hätte. Nach dieser Nacht begann ich verstärkt, darauf zu achten, ob ich selber nicht auch so bin, und tatsächlich – ich besitze wirklich einen Zwischenspeicher über die Persönlichkeit eines Menschen, und auch wenn ich mir bewusst bin, dass er da ist und ich bewusst versuche, ihn zu unterdrücken und meine Einstellung in Gegenwart bestimmter Personen anzupassen – es kommt mir „blöd“ vor, ich fühle mich selbst schlecht dabei, und lass es dann mit der Zeit sein. Beispiel gefällig? Unser Chef wird, wie ihr euch anhand einiger vorhergehender Posts und dem oberen Teil des jetzigen vorstellen könnt, ein echter Stinkstiefel.

Mein Zwischenspeicher verbindet mit seiner Persönlichkeit schlechte Laune, das bedeutet, dass ich in seiner Gegenwart nicht mehr fröhlich sein kann, und wenn ich es zwanghaft versuche, dann verstricke ich mich in dumme Witze oder Blödeleien, aber ich fühle mich nicht gut dabei. In seiner Gegenwart muss ich beschissen drauf sein, es ist geradezu ein natürliches Gesetz. Die meisten meiner Arbeitskollegen kennen mich als sehr lebensfreudigen Zeitgenossen, ich rede viel (zu viel) während der Arbeit, mache oft Faxen und baue Mist, zitierte irgendwelche Filme oder fange an irgendwelche Songtexte zu singen, und meistens bringe ich damit die Leute zum Lachen. Sobald aber dieser Mann im Raum ist, bin ich ganz still, und das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass er eine Autoritätsperson ist, weil es Fakt ist, dass andere damit kein Problem haben und sich mit ihm ganz normal unterhalten können. Das sind meistens Leute, die noch dicke mit ihm sind. Die kriegen es hin, mit ihm faxen zu machen und mit ihm zu lachen.

Ich würde das wahrscheinlich nur noch unter Bauchschmerzen hinbekommen. Letztens hatte er supergute Laune und war zu jedem freundlich. Er hat sich meinen Arbeitsplatz gut gelaunt angeguckt und gemeint, ich müsste mal meinem Netbook mehr zu essen geben, weil es viel zu klein ist. Ja, der Witz war schlecht, aber er war gut gelaunt und normalerweise hätte ich seinen Witz aufgegriffen und daraus dann doch noch etwas lustiges gemacht, so dass der „gute MOment“ nicht verloren geht. Aber ihm gegenüber konnte ich das nicht, ich habe mit dem Kopf genickt und „mhm“ gebrummt, als wäre ich auf irgendwas sauer oder so, obwohl ich rein psychisch vollkommen im reinen mit mir war, aber ich konnte ihm gegenüber einfach keine gute Laune aufbringen. Er meinte dann auch nur „Mann …, das war ein Witz!“ – und sofort war er schlecht gelaunt, und merkt ihr, worauf ich hinaus will? Noch kurz vorher war er so gut gelaunt, dass er versucht hat, einen Witz zu reißen, und kaum sieht er meine schlecht gelaunte Miene, ist er von einem Moment auf den anderen selbst moserig und schlecht gelaunt!

Was ist jetzt die Lehre für euch aus diesem Artikel? Ich finde, ihr solltet versuchen, negative Gefühle gegenüber Leuten, die euch etwas bedeuten, zu unterdrücken. Nein, das soll nicht heißen, dass es nicht erlaubt ist, gegenüber guten Freunden über Probleme zu reden, manchmal muss man sogar auch mal Weinen, wenn etwas ganz schlimmes passiert ist, und man muss auch gegenüber seiner Familie mal verzweifelt klingen dürfen, wenn etwas total schief gelaufen ist. Es gibt eben Dinge, die sind in einem drin und die MÜSSEN RAUS! Und es tut einem in der Seele weh und zerstört einen, wenn man nicht darüber redet. Worum es mir aber geht ist der Alltagsärger, diese kleinen Dinge im Leben, die euch ankotzen. Behaltet es für euch! Lasst es andere nicht spüren. Sie hätten dann nur das Gefühl, dass ihr eure Wut an ihnen auslasst, und werden sich das in ihrem Zwischenspeicher für eure Persönlichkeit merken. Das hat dann zur Folge, dass sie euch irgendwann anders behandeln, und das wollt ihr nicht. Hingegen solltet ihr positive Gefühle gegenüber Leuten, die euch etwas bedeuten, geradezu herausschreien, etwas von eurer guten Laune abgeben. Wenn ihr echt gute Laune habt morgens, warum dann nicht der netten Empfangsdame in eurer Firma einen Ohrwurm setzen, indem ihr ein Lied trällert? Sie wird dann den ganzen Tag lang dieses Lied im Kopf und gute Laune haben – und dabei an euch denken – und euch unter „gute Laune“ einspeichern! Wenn ihr dann irgendwann mal AUSNAHMSWEISE (und nicht ständig!) schlecht gelaunt seid, dann wird sie vielleicht sogar fragen, was mit euch los ist. Hättet ihr die Wochen zuvor nicht gute Laune versprüht und wärt ihr die Wochen zuvor nicht in ihrem „gute-Laune-Speicher“ gelandet, hätte sie wahrscheinlich gar nichts zu euch gesagt und sich wahrscheinlich sogar nicht mal für euch interessiert.

Ich hoffe, ihr wisst jetzt kleine Gesten wie ein gut gelauntes „guten Morgen“, einen kräftigen Händedruck, ein Kompliment und einen kleinen Gefallen (wie etwa Geld klein machen für die Kaffeemaschine) und der Höflichkeit, mal nach dem wohlergehen des anderen zu Fragen, zu schätzen. Denn es sind diese kleinen Dinge, die darüber entscheiden, in welchen Ordner des Zwischenspeichers einer Person ihr reingespeichert werdet.

In diesem Sinne

Freak out!

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Über dafrk

IT Consultant in den Bereichen SAP, SAP HANA, Internet of Things, Digital Transformation und IT Security
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