Karriere #1

In der Kategorie Karriere gebe ich euch Tipps für eure Berufs- und Karrierepläne. Hierbei geht es mehr um allgemeine Tipps, es kann jedoch sein, dass ich manchmal in mein Steppenpferd, die informationstechnischen Berufe, abschweife. Ihr solltet diese Kategorie nicht mit der Kategorie „Lebenslanges Lernen“ verwechseln – hier geht es nicht um die persönliche Weiterbildung zu einem bestimmten Beruf, sondern beispielsweise, wie man sich auf Einstellungstests vorbereitet, wie man sich in einem Bewerbungsgespräch verhält, wie man aufsteigt im Unternehmen, woran man einen guten Arbeitgeber/Chef erkennt, wie man über sein Gehalt verhandelt usw.
 

Kompetenzen

Das ist heute das Kernthema, mit dem ich mich befassen will und es ist ein sehr guter Eröffnungseinstieg für diese Kategorie „Karriere“. Der Arbeitsmarkt hat sich heutzutage sehr gewandelt, das habt ihr alle mitbekommen. Immer mehr erstrebenswerte Stellen werden nicht mehr an Personen vergeben, die eine fest vordefinierte Qualifikation mitbringen. Die Selektion von qualifiziertem Personal auf dem Markt hat sich weiterentwickelt. Woran man das erkennt? Nun, dafür gibt es verschiedene Tendenzen:

  • Der Einstellungstest wird bei immer mehr Arbeitgebern zur Standardprozedur. Was man früher nur bei größeren Arbeitgebern wie etwa Technologiekonzernen beobachten konnte, fließt nun auch immer mehr auf die mittelständischen Unternehmen über – mit einem Einstellungstest ist es möglich, die geistige Reife eines Bewerbers im Vorfeld ziemlich präzise zu erfassen.
  • Die Stellenausschreibungen sind immer offener gehalten. So wird immer seltener der Kreis der Bewerber durch die Angabe einer bestimmten Qualifikation wie etwa einem Zertifikatsabschluss gefragt, sondern es kommen immer mehr Stichworte wie „Berufserfahrung“ oder „gleichwertiger Kenntnisstand“ zum Vorschein. Das zeigt, dass die Unternehmen immer weiter weg gehen von der engstirnigen Sichtweise, dass nur Personal mit einem bestimmten Abschluss für eine Stelle geeignet ist, sondern dass Leute, die den geforderten Kenntnistand auch ohne die entsprechende Ausbildung vorweisen können, sogar noch umso mehr gefördert werden sollen.
  • Beinahe jedes Unternehmen hat mittlerweile ein sogenanntes Karriereprogramm. Das Prinzip ist dabei recht simpel – Der Arbeitgeber bezahlt dem Bewerber eine Ausbildung (wie etwa eine Berufsausbildung) plus ein ansehnliches Gehalt, dafür verpflichtet sich der Bewerber, entweder einen bestimmten Mindestzeitraum bei dem Unternehmen zu verbleiben oder im Falle des vorzeitigen Abtretens die Ausbildungskosten an den Arbeitgeber zurückzuerstatten. Das bedeutet, dass die Arbeitgeber sogar mittlerweile verstärkt dazu übergehen, ihr Personal selbst auszubilden, also bestimmte Vorqualifikationen nicht voraussetzen, sondern diese selber vermitteln wollen, und die Auswahl an potentiellen Kandidaten anhand ihres Lernpotentials zu ermitteln (Einstellungstest!). Dadurch, dass das Personal immer mehr von den Unternehmen selbst angelernt wird, ist die logische Konsequenz aus dem Ganzen wiederum, dass
  • verstärkt junge Leute gesucht werden.

Auch die Kompetenzen, die ein Arbeitgeber von seinem Personal fordert haben sich verändert. Durch einschlägige Erfahrungen und Wirtschaftsstudien hat sich gezeigt, dass besonders diejenigen Arbeitnehmer besonders lohnenswert für das Unternehmen sind, die neben fachlichen Qualifikationen noch fähig in Rhetorik, sozialer Intelligenz, im Präsentieren und Entwickeln von Ideen, mit Kreativität und anderen ähnlich definierten Kompetenzen sind. Früher kannte man nur Kompetenzen wie „Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, sauberes Auftreten“. Das alles zählt immer noch, aber das Profil, dass sich ein Arbeitgeber von seinen Angestellten vorstellt, wird immer detaillierter. Man schaut nun auch auf andere Kleinigkeiten, auf Details, die einem so gar nicht bewusst sind.

In diesem Artikel will ich aufzeigen, welche Kompetenzen im aktuellen Berufsalltag bei einem Bewerbungsgespräch abgeprüft werden. Wem diese Tatsachen dann erst einmal bewusst sind (beispielsweise, weil er diesen Blogeintrag gelesen hat), der kennt dann später seinen Feind, und kann sich dementsprechend gut verkaufen.

Lebenslanges Lernen

Einer der Kernkompetenzen ist heutzutage die Bereitschaft eines Bewerbers zum lebenslangen Lernen. Die Wirtschaft hat erkannt, dass Humankapital heutzutage das Wichtigste ist, was man haben kann, deshalb wird versucht, Personal lange an das Unternehmen zu binden und dem Personal dann erst während seiner Einstellung die Qualifikationen zu vermitteln, die es im Endeffekt wirklich braucht. Eine bekannte Methode dieser Art sind die zahlreichen „Karriere-Modelle“ von Großfirmen, viele Technologiekonzerne machen es z. B. so. Es ist nicht unüblich, dass Angestellte erst nach ihrer Anstellung bestimmte Zertifizierungen machen, und immer mehr Firmen bieten eine Anstellung parallel zum Erwerb einer Qualifikation, wie etwa einem Studium oder einem Technikerabschluss, an. Ein gutes Beispiel dafür ist das  SAP Corporate Master Programm. Andererseits heißtn es auch, dass die Firmen sich heutzutage auch immer mehr um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter kümmern, viel öfter als früher, weil das Humankapital mittlerweile so an Wert zugewonnen hat, dass man einen angelernten Mitarbeiter nur noch sehr ungern verlieren möchte. Meist werden Mitarbeiter bei langer Firmentreue mit weiteren Lehrgängen belohnt, so dass die Angestellten im Endeffekt nie aufhören, sich weiterzubilden.

Nun muss man natürlich aber auch, wenn man in ein solches Programm einsteigen will, im Bewerbungsgespräch die nötige Kompetenz und den geistigen Willen dazu rüberbringen, lebenslanges Lernen zu betreiben.

Stellt euch einfach mal selbst die Frage: betreibt ihr bisher lebenslanges Lernen? Wann war das letzte mal, dass ihr nach der Berufsausbildung zum Gesellen oder nach dem Abi (beides erwirbt man ungefähr im Alter von 19 Jahren) euch irgendwie in der von euch angestrebten  Fachrichtung oder in eurer Allgemeinbildung weitergebildet habt? Wenn ihr diese Fachrichtung positiv beantworten könnt mit:

  • Ja, ich habe eine weitere Fremdsprache gelernt
  • Ja, ich habe mein (Fach)Abi nachgeholt
  • Ja, ich hab meinen Meister / Techniker gemacht
  • Ja, ich habe mich zertifiziert
  • Ja, ich habe ein Fernstudium begonnen
  • Ja, ich habe Kurse belegt, um meine Fähigkeiten in dem entsprechenden Gebiet auszubauen oder zu erhalten
  • Ja, ich habe mich privat durch Selbst-Studium weitergebildet und das Wissen, dass ich selbst erworben habe, in praktische Projekte umgesetzt, die ich nun vorzeigen könnte.

Dann, herzlichen Glückwunsch, ihr betreibt lebenslanges Lernen, und ihr habt am Ende wenn zum Gespräch geladen wird, auch etwas vorzuweisen, ein Papier, welches bescheinigt, dass ihr gerne lernt und dabei auch erfolgreich seid

Wenn ihr antworten müsst:

  • Ja, also… ich lese ab und zu die c’t und die Computerbild…
  • zählen alle 11 Al-Bundy-Staffeln auch zu lebenslangem Lernen?
  • ich habe alle Buchromane aus dem Star-Wars-Universum gelesen (Respekt an dieser Stelle von mir :D)
  • nein, aber ich bin jetzt schon mit dem vierten Charakter Level 80!
  • Alter ich muss nicht lernen ich bin schon der Haxx0r! Erst gestern wieder für Kumpel zwei iPhones gejailbreakt!
  • Ja, Moment, wann war nochmal der Motorradführerschein? So lange ist das doch noch gar nicht her…

Dann sollte spätestens jetzt der Anstoß für euch kommen, etwas zu tun. Denn nachher auf dem Stuhl zu sitzen und zu sagen:  „Ja, ich habe zwar nichts vorzuweisen, aber ich habe mich ständig auf dem aktuellen Stand gehalten und bilde mich dauernd weiter“, zaubert meist nur ein müdes, mitleidiges Lächeln auf den Gesichtern der Personaler hervor.

Emotionale/Soziale Intelligenz

Intelli… Intel… Intellenz ist ja bekanntlich was Gutes. Viele propagieren mit Intel…essenz allerdings Fachwissen, und das sind dann die typischen Nerds, die von allen Mitarbeitern der firma gehasst werden, weil sie dauernd auf klug machen, nicht im Team zusammenarbeiten und alles alleine machen. Sich selbst sehen diese Leute als leistungsstark, und ihre „Teammember“ als überbezahlte, minderqualifizierte Vollidioten. Diese Leute verbringen viel Zeit damit, technische Dokumentationen bzw. Wirtschaftsstudien zu studieren und haben es in der Regel fachlich voll drauf. Leider kann man mit ihnen dann doch nichts anfangen, weil sie nicht mit Menschen umgehen können, also weder mit Kunden, noch mit ihren Mitangestellten. So kann man solche Mitarbeiter beispielsweise weder im Kundengespräch/in der Kundenberatung oder im Support einsetzen, noch als Projektleiter, weil sie den ganzen Arbeitstag damit verbringen, ihre Untergebenenen „anzuhitlern“. Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche, und diese Vokabel mag etwas anzüglich klingen, aber sie trifft das Verhalten dieser Leute ziemlich gut, und die Empörung eurerseits nutze ich bewusst, um zu zeigen, wie schädlich so ein Verhalten für ein Unternehmen ist: Es senkt die Motivation oder auch allgemein die Stimmung im Unternehmen, damit auch die Leistungsbereitschaft und die Produktivität und hat gewiss Einfluss auf den Umsatz.

Kompetenz, auf andere Menschen einzugehen, mit ihnen auszukommen oder allgemein: Die Fähigkeit, gut mit Menschen klar zu kommen, nennt sich in Fachkreisen emotionale oder auch soziale Intelligenz, je nachdem, welchen Teilbereich davon man meint. Ich werde später einmal noch einen oder mehrere Einträge dazu verfassen, aber hier geht es schließlich um den Wert für ein Unternehmen und auch darum, diese Kompetenz irgendwie zu zeigen, wenn man sich profilieren will.

Auf diese Fähigkeit wird meistens während des Bewerbungsgesprächs geprüft. Beim Gespräch soll rüberkommen, dass man sehr selbstbewusst mit Menschen reden kann. Da gibt es bekannterweise durchaus Unterschiede, und den Unterscheid macht meistens schlicht und einfach die Erfahrung, ja, es ist tatsächlich so. Mit umso mehr Menschen jemand im Laufe seines Lebens immer und immer wieder in Kontakt tritt, umso besser werden seine zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeiten. Lebt jemand zurückgezogen und alleine, ist es oftmals so, dass er sehr introvertiert ist, sich bei Gesprächen knapp hält und auf das wesentliche konzentriert, man merkt, dass ihm nur die „Sache“ wichtig ist, also der Anlass des Gesprächs. Emotional intelligente Leute genießen es alleine schon, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Sie sind sehr extrovertiert und interessieren sich für Details, man merkt das ganz besonders daran, dass man jemanden nicht auf seine Aufgabe reduziert. Statt laut „Bedienung!“ zu rufen, beginnen kontaktfreudige Menschen eher ein keines Gespräch, fragen in dessen Verlaufe nach dem Namen und bitten dann die Person, und nicht „die Bedienung“, um einen Gefallen.

Solche Menschen haben es im Leben im Endeffekt dann auch im ganzen Leben leichter, weil sie später mal auf viele Leute zurückgreifen können, die ihnen einen Gefallen tun, weil sie sympathisch rüberkommen, immer nett und zuvorkommend waren und die Leute sich wirklich freuen, diejenige Person dann auch zu sehen.

Man bringt diese Kompetenz während eines Bewerbungsgespräches rüber, indem man sehr offen auf Menschen zugeht, sehr redefreudig ist, rhetorisch sauber redet, sich anständig präsentiert, selber einen interessierten Eindruck macht, selber Fragen stellt, extroviert ist (also gerne erzählt) und sich aktiv am Gespräch beteiligt, das heißt nicht immer nur stumpfe Antworten gibt und wartet, bis die nächste Frage kommt, sondern das Gespräch von sich selbst heraus dynamisch hält, mal eine Frage in den Raum wirft usw.

Rhetorische Kompetenz

Gewissermaßen gehört das eigentlich auch zur sozialen Intelligenz. Die Rhetorik wurde das erste mal im alten Griechenland definiert, wo die Politik sich durch die rhetorisch sehr ausgeschmückte Reden ausgetauscht hat (was man beispielsweise in unserer heutigen Politik in Deutschland nur noch sehr begrenzt behaupten kann). Rhetorik ist deshalb besonders wichtig für Unternehmen, weil irgendwie heutzutage alles mit Rhetorik zusammenhängt, sprich mit der Fähigkeit, mit seinem Auftreten das Befinden anderer Menschen zu beeinflussen.

Der Werbetexter muss rhetorisch begabt sein, um bei seinem Leser einen Kaufwunsch zu erregen. Die Telefonistin muss rhetorisch begabt sein, um Folgeaufträge, Rabatte oder andere Vorteile herauszuschlagen, der Typ vom Support muss rhetorisch begabt sein, damit kein Kunde kündigt, weil er am Telefon Mist erzählt, der Handelsvertreter oder auch der Verkäufer müssen rhetorisch begabt sein, weil sie den Kunden zum Kaufen bringen sollen, der Projektleiter muss rhetorisch begabt sein, weil er zwischen seinen Vorgesetzten und seinen Untergebenen vermitteln muss, usw. DAS LEBEN ist Rhetorik, ganz ehrlich, wie oft in eurem Leben müsst ihr jemanden zu etwas überreden?

  • Komm, lass uns aus gehen
  • Komm, lass uns Sport machen
  • Komm, lass uns mal wieder Urlaub machen
  • Ey! Komm schon! Es ist kaum mehr was los…
    Ich hab Kopfweh und der DJ spielt die ganze Zeit nur so Elektro Zeugs. Nicht mal was von David Guetta macht er. Komm, lass uns nach Hause gehen.

Deswegen kann es euch durchaus passieren, dass ihr im Laufe der Bewerbung in einen Raum geführt werdet. In diesem Raum befindet sich dann nicht Hinkebein und eine Sammlung Sexspielzeuge oder ein Dreirad neben einem verrosteten Stuhl mit Eisenschellen (Ich würde gerne ein Spiel mit Ihnen spielen…), sondern veraltete Präsentationsmedien, also Flip Chart, Whiteboard und der ganze Kram, und ihr sollt plötzlich über irgendwas aus euerm Leben reden. Je nachdem, wie gut und interessant ihr das macht, desto besser werdet ihr bewertet. Auf sowas solltet ihr schlicht und einfach vorbereitet sein. Wer schlicht nicht weiß, über was er reden soll, der sollte darüber vielleicht vor dem Gespräch nachdenken.

Das waren nur einige von vielen Kompetenzen, die man im Berufsalltag vorzeigen können muss. In künftigen Posts werde ich die Thematik vielleicht nochmal ausweiten. Für heute aber denke ich reicht das und ich habe euch wohl erstmal genug malträtiert.

Freak out!

Über dafrk

IT Consultant in den Bereichen SAP, SAP HANA, Internet of Things, Digital Transformation und IT Security
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2 Antworten zu Karriere #1

  1. Red Eye Ragnarok schreibt:

    Ich konnte in der letzten Zeit mehrere Meldungen lesen, die davon kündigten, dass das Anschreiben in der Bewerbung bald wegfällt. Es geht alles mehr Richtung Onlineformular. Wird größtenteils positiv dargestellt, vielleicht wäre das auch mal ein Thema für dich.
    http://www.sueddeutsche.de/thema/Bewerbung

  2. Pingback: Motivation #2 – aktiv sein | dafrk

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