Selbstverteidigung #1

In der Kategorie Selbstverteidigung gebe ich euch theoretische Tipps aus verschiedenen Kampfsportarten, meistens jedoch aus dem Muay Thai, Krabi Krabong und den Mixed Martial Arts.
 
Heute lautet das Thema:

Die Mittel, einen Kampf zu beenden.

Vorwort: Hier muss verdeutlicht werden, dass ich hier auf eine Konfrontation eingehe, die nicht mehr durch Schlichtung verhindert werden kann. Auf Schlichten von Streit werde ich in einem späteren Post eingehen.

in einer Crazy-Ass-Situation auf der Straße werden größtenteils Schläge ausgeteilt. Der Puls beider Kontrahenten schießt in die Höhe, das Gehirn schaltet auf Stumpf, es funktionieren nur noch die primitivsten Bereiche unseres Verstands. Wenn das Adrenalin im Körper Dubstep tanzt, dann heißt es, dass der Mensch instinktiv nur noch zwei Optionen kennt – Angriff oder Flucht. Die Entscheidung nach Angriff oder Flucht trifft er innerhalb weniger Sekunden, indem das Gehirn blitzschnell einige Parameter auswertet, etwa wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man schneller ist als sein Widersacher. Ist man langsamer als sein Widersacher und dreht ihm aber bei einer Flucht den Rücken zu, begibt man sich in eine schwächere Position, wenn es dann zum Aufeinandertreffen kommt.

Nicht selten kommt es deshalb vor, dass eine bedrohte Person den Kampf wählt und auf seinen Widersacher aggressiv zugeht. Wer jedoch einmal in einer richtigen Schlägerei war, der weiß, dass es hier in der Regel eben keinen klaren Gewinner gibt. In der Regel werden derartige Kämpfe zunächst in Form von Faustschlägen ausgetragen. Dabei zeigt sich, dass unabhängig von Größe, Gewicht oder Erfahrung durch derartige Schläge allein kein Gewinner feststellen lässt. Gewiss, ein Gegner wird den anderen dominieren, wird öfter und härter Treffen als der Andere. Da jedoch beide Kontrahenten sehr angespannt sind, ist der Schaden, der durch solche Faustschläge und manchmal auch Tritte ausgeteilt wird, nicht effektiv. Es wird ewig dauern, bis einer der beiden Kontrahenten dem jeweils Anderen unterliegt, da Schmerz in dieser Stressphase nur noch unterbewusst wahrgenommen wird und der Gegner trotz heftiger Treffer noch weiterkämpfen kann. Solche Kämpfe enden in der Regel immer erst dann, wenn einer der beiden zu erschöpft ist, um weiterzukämpfen. Erst dann ist es dem anderen Kontrahenten möglich, ohne Eigenrisiko über den Anderen zu herrschen. Gewinner ist also nicht unbedingt der, der am meisten ausgeteilt hat, sondern derjenige Kämpfer, der die bessere Kondition hat.

Solch eine Tatsache ist nicht für jeden Kämpfer von Vorteil, vor Allem nicht für den typischen Anwender, der sich einem Selbstverteidigungskurs unterzieht, geht es doch hier darum, aus solchen Situationen unter möglichst geringem Krafteinsatz heraus zu kommen. Aus diesem Grund hat jede Kampfkunst ihre eigenen Mittel und Wege entwickelt, einen Kampf auch auf andere Art und Weise zu beenden. Im Folgenden will ich mal die gängigsten Wege aufzeigen.

Sieg durch konditionelle Überlegenheit

Diese Methode haben wir bereits kennengelernt. Der Kämpfer mit der meisten Energie gewinnt den Kampf. Wer hier die bessere Kondition hat, hat hier schon einmal die bessere Ausgangsposition. Man kann dieses Ungleichgewicht zwischen zwei Kämpfern aber aktiv durch sein eigenes Kampfverhalten beeinflussen. Wer für seine Aktionen zunächst einmal möglichst wenig Energie verbraucht und oft die Energie des Gegners zu seinem Vorteil nutzt, kann das konditionelle Gleichgewicht im Verlaufe eines Kampfes zu seinen Gunsten verschieben. Das Aikido ist sehr konzentriert auf diese Technik, da der Sieg durch konditionelle Überlegenheit und die Umwandlung der gegnerischen Energie zu den eigenen Gunsten die „friedlichste“ Lösung ist, um einen Konflikt zu beenden. Des Weiteren kann man durch gezielte Treffer die Kondition des Gegners schwächen. Empfindliche Stellen sind hier nicht etwa das Gesicht oder andere beliebte Ziele des typischen Wirtshausschlägers, sondern die Bauchmuskulatur und die Stellen, an denen Leber und Nieren sitzen. Diese sind die nach außen hin verwundbarsten inneren Organe. Verletzt man diese inneren Organe, wenn auch nur geringfügig, schlägt dies sehr zu ungunsten der Stamina des Gegners und seine körperliche Ausdauer schwindet. Es ist nicht (unbedingt) der Schmerz, der den Gegner wanken lässt, sondern die nachlassende Kraftausdauer, die aus den Treffern resultiert.

Sieg durch Zerstörung des Gegners

Diese Methode ist die brutalste, aber zugleich auch anspruchsvollste und in der Ausführung ästhetischste Form, denn hier zeigt sich der wahre Meister einer Kampfkunst und ich selbst würde von mir nie behaupten, dass ich einen Kampf unter gleichen Bedinungen auf diese Art und Weise beenden könnte, denn das ist wirklich nur wahren Könnern überlassen. Ein solcher Sieg wird dadurch errungen, dass man die „Waffen“ oder die Körperfunktion des Gegners schlicht und einfach durch Treffer ausschaltet. Der Gegner wird dadurch kampfunfähig. Für den Laien ist ein solcher Sieg eigentlich nur dann möglich, wenn man eine WAffe zur Verfügung hat. Im Krav Maga etwa zerstört man Gegner oft, indem man ihnen mit einem Fremdgegenstand in die Augen sticht oder mit den Fingern die Augen in die Höhlen drückt. In Kampfstilen, die auf ungepanzerte Gegner zielen, wie das Krav Maga, Muay Thai oder etwa Pencak Silat greift man oft den Kehlkopf an, wahre Meister beherrschen das zerstören des Gegners, indem man durch seine eigenen Schläge die gegnerischen Knochen bricht, besonders „beliebt“ sind hierbei die gegnerischen Schienbeine oder die Schädeldecke durch Ellbogenstöße. Diese Form, einen Kampf für sich zu entscheiden, ist zeitgleich die brutalste, aber auch anspruchsvollste Form. Dass solche Knochenbrüche wirklich möglich sind und dabei auch selbstverursacht sein können, zeigt uns auch heute noch der Ringsport. Besonders effektiv ist meistens ein senkrechter Angriff auf das Nasenbein. Im Muay Thai werden durch Kniestöße und Roundhousekicks oftmals die gegnerischen Rippen gebrochen.

Um eines klar zu stellen: Viele Kämpfe enden auf diese Art und Weise der Zerstörung des Gegners, aber meist ging der Zerstörung des Gegners eine andere Ursache voraus, die der eigentliche Grund für seine Niederlage war, wie etwa, dass seine Kondition zur Neige geht oder man ihn zu Boden gerungen hat. Hier geht es um die Zerstörung des Gegners während dieser selbst noch konditionell fit ist, noch seine volle Bewegungsfreiheit hat und sich wehrt. „Einfach“ ist eine solche Zerstörung nur, wenn man selbst steht und der Gegner auf dem Boden liegt. In den meisten Fällen bedeutet dies, dass vorher ein Takedown stattgefunden hat.

Sieg durch Submissions

Bei einer Submission besiegt man den Gegner durch „technisches K.O.“, das bedeutet beispielsweise, dass er bewegungsunfähig ist oder für seine Bewegungen kritischen Schaden an seinem Körper bzw. große SChmerzen in Kauf nehmen muss. Ein klassisches Beispiel dafür wäre ein Hebel oder ein Lock, den man beim Gegner ansetzt. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist etwa der Kimura-Lock, der es dem Gegner nur noch in Verbindung mit großen Schmerzen erlaubt, sich zu bewegen.

Eine solche „Bewegungsunfähigkeit“ erreicht man meist durch eine der folgenden drei Techniken:

  • durch Bohrtechniken. Bei Bohrtechniken greift man verwundbare Stellen am gegnerischen Körper langfristig an, man schlägt also nicht auf die Stelle, sondern man zwickt z. B. in einen empfindlichen Körpermuskel (Muscular Gouging) oder einen Nerv
  • durch Hebel/Griffe. Klassisches Beispiel aus unserem „Alltag“ ist der typische Polizeigriff
  • durch Locks, die dem Gegner rein mechanisch gesehen keine Bewegung mehr erlauben, solange man den Griff nicht lockert. Dabei muss nicht zwangsläufig ein Hebel involviert sein.

Sieg durch Unterbrechen der Energiezufuhr des Gegners

Auch eine Art Submission, aber eigentlich schon wieder ein anderes Prinzip sind die sogenannten Chokes, bei denen man entweder die Atemwege oder die Blutzufuhr zum des Gegners unterbricht.

Wann kommt welche Form zum Einsatz?

Im Alltag kämpft man in einer 1 gegen 1 Situation häufig gegen ungepanzerte Gegner. Hier kommen grundsätzlich alle Formen in Frage. Meist läuft es auf einen Wettstreit zwischen zwei Strategien hinaus. Der fittere Gegner wird auf seine konditionelle Überlegenheit hoffen und versuchen, durch Schläge die Kondition des jeweils anderen zu schwächen, der trägere Gegner wird daraufhin versuchen, den Kampf durch Submission zu beenden – das endet dann meistens darin, dass er freiwillig Schläge in Kauf nimmt, um nahe genug an den Gegner heran zu kommen, um ihn tollpatschig zu Boden zu ringen oder es wird versucht, die Leute wie beim American Football in den Boden zu rammen. Ein Sieg durch Zerstörung aus dem Stand ist relativ selten, jedoch wird meist ein Sieg dieser Form errungen, indem man den Gegner zuvor zu Boden ringt und dann aus einer überlegenen Position wie etwa einer Mount auf ihn einwirkt, bis er sich wortwörtlich nicht mehr rührt.

Die Fullmount als Wegbereiter für die Zerstörung des Gegners

Hebel und Würgegriffe isnd ebenfalls schwer anzusetzen, weil die Kämpfe meist sehr schnell und wild ausgetragen werden und daher meistens kein anständiger Hebel gesetzt werden kann.

Beim Kampf einer gegen mehrere ungepanzerte Gegner, den man eh nur als körperlich fitter und erfahrener Kämpfer gegen unerfahrene Gegner bestehen kann, gibt es eigentlich nur den Sieg durch Zerstörung. Der Grund ist, dass man beim Ansetzen eines Hebels oder einer Submission beim Gegner sofort von den anderen angegriffen wird. Man muss bei dieser Art Konfrontation versuchen, einen Gegner von den anderen zu isolieren und zwischen sich und den Anderen zu halten, während man auf ihn einwirkt. Dies ist nur durch

  • Hebel
  • Würfe
  • und Takedowns, also das Niederringen des Gegners auf den Boden
möglich. Innerhalb der kurzen Zeit muss dann auf den Gegner derartig eingewirkt werden, dass dieser kampfunfähig wird und man den Vorgang bei einem neuen Gegner wiederholen kann. Im Kampf gegen einen oder mehrere ungepanzerte Gegner sind also schnelle Angriffstechniken gefordert. Aus dieser Überlegung heraus sind Kampfstile wie das Krav Maga, Muay Thai, Karate, Kalaripayattu oder Pencak Silat entstanden.

Damals in der Antike, im Mittelalter und zu Zeiten der Samurai waren die Gegner gepanzert, das bedeutet, dass eine Zerstörung des Gegners kaum noch möglich war, weil die eigenen Körperteile bei SChläge auf der gegnerischen Rüstung nachgegeben hätten. Dafür waren die Kämpfer in den Panzern auch träger, was nun Hebel, Takedowns und Würfe vereinfachte. Die Gegner wurden zu dieser Zeit im Handkampf ohne WAffeneinsatz also kaum durch Zerstörung, viel mehr aber durch Submission kampfunfähig gemacht, also durch Hebel, Locks und Chokes. Bohrtechniken entfielen meist, weil die verwundbaren Nerven und Muskeln ebenfalls durch die Rüstung geschützt waren. Aus dieser Zeit sind Kampfsportarten wie Judo oder das griechische Pankration entstanden.

Im heutigen Military Combat macht man zurzeit eine Art Mischform durch. Heutige Soldaten haben keine schwere Platten- oder Kettenrüstung wie die Samurai damals, sind aber dennoch gut und schwer gepanzert. Die Kampfwesten der Soldaten sind meist aus Kevlar oder zumindest mit einem stichfesten Gewebe ausgestattet, innen drin sind dann meist noch Keramikplatten, die zusätzlich vor ballistischen Geschossen schützen sollen. Das bedeutet, dass im heutigen Military Combat Sieg durch Zerstörung nur noch an wenigen Stellen, etwa am Nasenbein, möglich ist. Desweiteren sind die Soldaten in der schweren Keramikweste ähnlich träge wie die damaligen Samurai. Da sowohl Tritte, Schläge und sogar Messerstiche gegen die Weste kaum mehr eine Wirkung zeigen, ähneln heutige Militärkampfprogramme zunächst eher den Kampfstilen gegen gepanzerte Gegner.Dies spricht für starke Submissiontechniken wie dem Judo oder dem Pankration. Deshalb benutzt man Hebel, Takedowns und Würfe wie im Judo, um den Gegner bewegungsunfähig und verwundbar zu machen. Dann greift man entweder die wenigen verbliebenen Stellen, die durch Schläge und Tritte verwundbar sind, an – wie etwa Kehlkopf oder Nasenbein, oder man bedient sich wie damals die Griechen und die Samurai seiner Kurzwaffe, die speziell für diesen Zweck geschaffen wurde. Solche Kurzwaffen waren früher etwa der Tantō oder der Gladius, heutige Militäreinheiten haben ein entsprechendes Kampfmesser.

Aufgrund der Bedrohung in Situationen, bei denen Soldat und Kontrahent keine Einsatzweste anhaben, werden Soldaten aber auch in schnellen Techniken geschult, vorzugsweise etwa Techniken aus dem Krav Maga, bei denen wieder Tritte und Schläge eine große Rolle spielen.

Aus diesen beiden Bedrohungsszenarien ist bei den heutigen Militärkampfprogrammen eine Art Mischform entstanden.

Alternativen

Oft ist es anderweitig möglich, eine Konfrontation zu beenden. Manchmal ist es im Laufe eines Kampfes dann doch plötzlich möglich, zu fliehen, etwa, weil man sich eine Fluchtroute freigekämpft hat, die zuvor durch den Gegner versperrt war. Bei einer solchen Taktik muss man den Gegner zurückdrängen, das geschieht am besten dadurch, dass man seine Angst vor Schlägen ausnutzt und ihn mit schnellen Schlagtechniken zum Zurückweichen bringt. Besonders gut eignen sich schnelle Schlagkombinationen aus dem Muay Thai und dem Wing Tsun

Kettenfauststöße aus dem Wing Tsun Kung Fu eignen sich gut, um einen Gegner zum Zurückweichen zu bringen.

Oftmals ist es möglich, den Gegner zur freiwilligen Aufgabe zu bringen, indem man seinen Kampfgeist schwächt. Viele Gegner geben auf, sobald sie permanenten Schaden für ihre physische Gesundheit fürchten müssen. Bei einigen geht das schon bei den Zähnen los. Sobald der erste Zahn wackelt, geben die meisten Molucken-Tonis sicher auf, während einfach nur schmerzhafte Schläge ohne bleibende Schäden keine Wirkung gezeigt hätten.

Advertisements

Über dafrk

IT Consultant in den Bereichen SAP, SAP HANA, Internet of Things, Digital Transformation und IT Security
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s